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Ärger über Konferenz in Köln : Die Ditib und ihr Verständnis von Normalität

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Die Liste der Teilnehmer legte die Ditib nicht offen

Nach Informationen der Zeitung „Kölner Stadtanzeiger“ waren vergangene Woche im Konferenzzentrum der Zentralmoschee auch der deutsche Prediger Khaled Hanafy, Ibrahim El-Zayat und der irische Imam Hussein Halawa dabei, der als einer der führenden Agitatoren im europäischen Muslimbrüder-Geflecht gelten soll. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz ist die ebenfalls in Köln ansässige „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD) die wichtigste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft (MB). Bei öffentlichen Auftritten würden Bekenntnisse zur MB und verfassungsfeindliche Äußerungen zwar vermieden. „Gleichwohl sind die Aktivitäten der IGD-Zentren aufgrund der ideologischen Ausrichtung an der MB geeignet, eine ablehnende Haltung gegenüber westlichen Werten zu verstärken und eine Distanz zur Demokratie zu fördern“, heißt es vom Bundesamt für Verfassungsschutz.

Eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums bestätigt, dass der Verfassungsschutz sowohl Khaled Hanafy als auch Ibrahim El-Zayat „dem Spektrum der Muslimbruderschaft zurechnet“. Es sei bedenklich, „dass die in der jüngeren Vergangenheit durch türkisch-nationalistische Aktivitäten in die Kritik geratene Ditib sich gegenüber der islamistischen Muslimbruderschaft nicht abgrenzt, sondern offensichtlich Beziehungen zu Personen aus diesem Spektrum pflegt“.

Der Bitte der F.A.Z., die Liste der Teilnehmer offenzulegen, kommt die Ditib am Montag nicht nach. Schwerpunkt der Veranstaltung sei das „innerislamische Gespräch“ gewesen, zu dem „hauptsächlich die Spitzenvertreter der muslimischen Religionsgemeinschaften aus ganz Europa eingeladen waren“, teilt die Organisation stattdessen mit. „Neben Vertretern der Universitäten und namhaften muslimischen Wissenschaftlern“ seien auch „Vertreter von konservativeren bis hin zu moderneren Auslegungen des Islams“ anwesend gewesen. Die Frage, warum die Ditib die Veranstaltung nicht vorab publik machte, bleibt unbeantwortet.

Gökay Sofuoglu, der Vorsitzende der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“ (TGD), die sich als pluralistische Interessenvertretung türkischstämmiger Deutscher und in Deutschland lebender Türken versteht, ist vom Vorgehen der Ditib irritiert. Die Zukunft der Muslime in Europa sei ein so wichtiges Thema, dass sich eine als geschlossene Gesellschaft angelegte Tagung dazu verbiete, sagt Sofuoglu. Er könne sich die Heimlichtuerei nur so erklären, dass die Ditib und Diyanet die Deutungshoheit für sich beanspruchten. Wer so eine Selbstwahrnehmung habe, habe es weder nötig, umfassend andere einzubeziehen, noch die Öffentlichkeit zu informieren.

„Die Geheimniskrämerei ist schädlich“, sagt Sofuoglu. „Denn wir brauchen ja wirklich eine breite Debatte darüber, wie sich Muslime den Islam und islamisches Leben in Deutschland und Europa vorstellen.“ Die Ditib habe nicht verstanden, dass sie sich in eine Organisation umwandeln müsse, „die sich um die Belange der Muslime in Deutschland kümmert und nicht um die Interessen der Türkei oder den Führungsanspruch Erdogans“.

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