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Jubiläum des Frauenwahlrechts : „2018 ist Zeit für halbe-halbe“

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Frauen stehen im Januar 1919 in einer Schlange vor einem Wahllokal und machen von dem im November 1918 eingeführten Frauenwahlrecht Gebrauch. Bild: dpa

Seit 100 Jahren gibt es das Frauenwahlrecht. Doch der Weg zur Gleichberechtigung ist lang – und am Ziel angekommen sind wir noch nicht. Ein Gastbeitrag.

          Wir haben viel erreicht. Meine Großmutter war 13 Jahre alt, als Frauen in Deutschland 1919 zum ersten Mal wählen durften. Als meine Mutter als Kindergärtnerin arbeitete, musste mein Vater ihr noch schriftlich die Genehmigung erteilen. Ich selbst war bereits 36 Jahre alt, als Vergewaltigung in der Ehe endlich zur Straftat wurde. Meine Enkelin hingegen kann heute in dem Bewusstsein aufwachsen, dass Frauen alles werden können. Diese Möglichkeiten möchte ich für alle Mädchen in Deutschland schaffen, darin sehe ich meine Aufgabe als Politikerin und Frauenrechtlerin.

          Waren sie nie weg, oder kehren sie zurück? Tatsache ist, dass reaktionäre Frauenbilder wieder auf dem Vormarsch sind. In viele Parlamente ist mit der AfD eine Partei eingezogen, die ein rückständiges und „völkisches“ Frauenbild vertritt. Sie spricht von einer „natürlichen Geschlechterordnung“ und erklärt die Erhöhung der Geburtenzahl zum Staatsziel. Ganztagsschule, Kita oder Hort lehnt sie ab.

          Ein Rollback schleicht sich auch ein, weil nicht wenige Männer und Frauen, die aus muslimisch geprägten, patriarchalen Gesellschaften nach Deutschland gekommen sind, an der Vorstellung festhalten, dass Frauen sich aus dem öffentlichen Leben fernhalten sollten. Nicht zu unterschätzen sind auch Strömungen christlich fundamentalistischer Prägung. Ein Ausdruck davon sind fundamentalistische Lebensschützer. Plötzlich müssen wir Frauen wieder unser Recht auf körperliche Selbstbestimmung verteidigen.

          Gewalt gegen Frauen ist Alltag in Deutschland

          Beim Thema Frauenrechte gibt es nichts zu relativieren! Menschen, die Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben absprechen wollen, trete ich klar entgegen – völlig egal, welche Motive sie haben. Und das gilt insbesondere für Gewalt gegen Frauen. Sie ist nicht erst durch die Zuwanderung nach Deutschland gekommen, sondern schon trauriger Alltag in unserem Land. Etwa 6100 Frauen wurden 2017 in Rheinland-Pfalz Opfer von Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Die Täter waren Ehemänner, Kollegen, Freunde – über 16 Straftaten an jedem Tag! Das ist eine skandalöse, eine verstörende Zahl. Unter den Tätern und Opfern waren auch zugewanderte Menschen. Es gibt Flüchtlinge, die sich gegenüber Frauen respektlos verhalten und die Diskriminierung und Gewalt ausüben. 288 Mal haben Zuwanderer 2017 in Rheinland-Pfalz Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen. Das ist in den Augen vieler Menschen deshalb besonders unerträglich, weil die Täter nach Deutschland gekommen sind, um hier Schutz vor Gewalt zu suchen. Ich sage: Jede einzelne Tat gegen Frauen ist inakzeptabel – unabhängig davon, wer sie begeht und wer das Opfer ist. Männer, die das tun, greifen unsere Gesellschaft als Ganzes an. Meine Antwort auf diese Angriffe lautet: null Toleranz, ausnahmslos!

          Die Frauenbewegung war immer stark, wenn sich Menschen über die politischen Lager hinweg zusammengeschlossen haben. Deswegen macht es mich nachdenklich, wenn dieselben Politiker und Politikerinnen, denen in den letzten Jahren kein Argument zu absurd war, um Quoten für weibliche Führungskräfte zu verhindern, die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit zu erschweren, den Ausbau der Kinderbetreuung zu verzögern, sich jetzt unter fragwürdigen Vorzeichen als Feministen aufschwingen. Deswegen sage ich, ich setze mich nicht nur für Frauen ein, wenn sie deutsch sind, und prangere Frauenfeinde nicht nur an, wenn sie Ausländer sind.

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