https://www.faz.net/-gpf-73dqp

Malu Dreyer im Gespräch : Das Rentenniveau soll über 43 Prozent kommen

  • Aktualisiert am

„Vieles werde ich ähnlich machen wie Kurt Beck“: Malu Dreyer in Mainz Bild: Frank Röth

Malu Dreyer ist die designierte Nachfolgerin des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Im Interview spricht die Sozialministerin über ihre Pläne als Regierungschefin und die Rentendebatte in der SPD.

          Frau Ministerin, wann hat Kurt Beck Sie gefragt, ob Sie die erste Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz werden wollen?

          Das war wenige Tage vor seiner Rücktrittsankündigung am vergangenen Freitag. Als er für sich die Entscheidung getroffen hatte, dass er aus gesundheitlichen Gründen aufhört, rief er mich an. Wir haben uns getroffen und ein Gespräch geführt.

          Aber Sie waren schon seit längerem darauf vorbereitet, dass dieses Amt auf Sie zukommt?

          Es war zunächst für mich in weiter Ferne. Aber dass diese Frage auf mich zukommen könnte, war mir klar. Ich habe mich erinnert, wie es war, als ich 2002 zur Sozialministerin berufen wurde. Ich bekam einen Anruf von Kurt Beck und hatte eine halbe Stunde Zeit, mich zu entscheiden. Mir war klar, dass es diesmal so ähnlich kommen könnte und wieder ein Anruf von ihm kommt. Und in diesem Moment muss man wissen, was man will. Denn so eine Frage bekommt man nur einmal im Leben gestellt.

          Seit wann haben Sie darüber nachgedacht?

          Schon lange. Immer wieder. Man muss eine solche Aufgabe aus ganzem Herzen wollen. Man muss eine hundertprozentige Gewissheit im Inneren haben, dass es die richtige Entscheidung ist. Sonst kann man ein solches Amt nicht antreten.

          Was gibt Ihnen diese Sicherheit, dass diese Entscheidung die richtige ist?

          Ausschlaggebend war für mich, dass ich selbst noch einmal etwas anderes machen wollte. Das hat mich selbst überrascht, weil ich dachte, ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als Sozialpolitik zu machen. Man sagt ja Frauen Anfang 50 nach, dass sie oft Lust verspüren, noch einmal etwas anderes zu machen im Leben.

          In der CDU, aber auch in der SPD haben viele nicht geglaubt, dass Sie wegen Ihrer Erkrankung an multipler Sklerose zum engeren Kreis der möglichen Bewerber für die Nachfolge gehören. Hat Sie das gestört und geärgert?

          Das hat mich nicht gestört und auch nicht geärgert. Meine Kollegen wissen, dass ich offen mit der Krankheit umgehe, aber dass sie nicht im Mittelpunkt meines Lebens und meiner politischen Arbeit steht. Die Krankheit ist für mich kein Tabuthema, aber sie dominiert mich nicht. Ich lebe mit ihr seit 20 Jahren und das privat und beruflich sehr gut.

          Kurt Beck hat ja 16-Stunden-Tage und zahllose Termine, die er wahrnimmt. Fühlen Sie sich gesund und stark genug, solch ein Pensum durchzustehen?

          Ja klar. Ich habe schon Tage und Nächte durchverhandelt, etwa bei der Gesundheitsreform. Ich habe in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass ich trotz meiner Krankheit diesen Einsatz bringen kann.

          Ist Beck mit seinem Dauereinsatz im Land ein Vorbild für Sie?

          Er ist ohnehin ein Vorbild für mich. Ich finde, dass dieses Land 20 Jahre lang sehr gut regiert worden ist. Es ist schade, dass sein großes Lebenswerk durch den Nürburgring in der letzten Zeit verdeckt worden ist.

          Werden Sie es als Ministerpräsidentin auch so halten wie Beck? Kein Volksfest, keinen Termin auslassen im Land.

          Am Anfang meiner Regierungszeit werde ich mich natürlich als Regierungschefin zuallererst den großen Herausforderungen widmen und mir dafür viel Zeit nehmen. Wichtig ist aber auch die Präsenz im Land. Kurt Beck und Rudolf Scharping haben das ja ganz wunderbar gemacht damals mit ihrer Bereisung der 36 Landkreise. Das wäre für mich auch ein gutes Instrument, Rheinland-Pfalz auf eine ganz andere Art kennenzulernen und natürlich gehört auch das Feiern dazu.

          Wird Ihr Regierungsstil anders sein als der von Kurt Beck?

          Natürlich wird er sich unterscheiden. Wir sind unterschiedliche Persönlichkeiten, und wir kommen aus anderen Generationen. Vieles werde ich ähnlich machen wie Kurt Beck, und vieles werde ich machen wie Malu Dreyer.

          Wie machtbewusst sind Sie? Die CDU sagt Ihnen ja schon einen Machtkampf mit Innenminister Lewentz und SPD-Fraktionschef Hering voraus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

          Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.

          Zukunftsforscher : „Es wird auf jeden Fall keine zweite Greta geben“

          Greta Thunberg gilt als das Gesicht schlechthin, wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht. Zukunftsforscher Matthias Horx erklärt, was die Sechzehnjährige mit Winston Churchill, Albert Einstein und Bob Marley gemeinsam hat.
          Die Botschaft der Demonstrantin vor dem Supreme Court ist klar: „Kein Parlament, keine Stimme!“

          Großbritannien : Supreme Court verhandelt über Parlamentspause

          In der Verhandlung über die Zwangspause des Parlaments hagelt es Kritik am britischen Premierminister. Der Anwalt der Hauptbeschwerdeführerin wirft Boris Johnson vor, Verfassungsgrundsätze auf den Kopf zu stellen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.