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Mainzer Wohnbau-Affäre : Unter Amigos

  • -Aktualisiert am

Ärgert sich über seine Blauäugigkeit: Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel Bild: ddp

Durch riskante Geschäftsgebaren, hochspekulativen Wertpapierhandel und private Bereicherung hat die Mainzer „Handkäs-Mafia“ Millionen an Steuergeldern verbrannt. Die Affäre gefährdet die „Schunkelbrüderschaft“ im Rathaus.

          Als Karnevalist mit hintergründig-schwarzem Humor präsentierte sich Rainer Laub zwei Wochen vor Rosenmontag den damals noch ahnungslosen Mainzern und Millionen von Fernsehzuschauern. Als erster Vorsitzender des Dombau-Vereins und seinerzeit im Hauptberuf auch noch erster Geschäftsführer des kommunalen Unternehmens Wohnbau Mainz GmbH moderierte Laub für das ZDF unter freiem Himmel auf dem Domplatz mit viel Spaß an der Freud die Schunkel-Show „Da wackelt der Dom“.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Wenige Monate später hat es der frühere stellvertretende Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion geschafft, dass durch sein riskantes Geschäftsgebaren mit hochspekulativen Wertpapieren und Deriveraten als langjähriger Wohnbau-Chef nicht nur das städtische Unternehmen mit seinen fast 14.000 Wohnungen nur mit frischem Steuergeld von rund 117 Millionen Euro noch zahlungsfähig ist, sondern auch, dass das politische Establishment in der Landeshauptstadt kräftig wackelt und unter dem Generalverdacht von Filz und Korruption steht.

          Untreue und Vorteilsnahme

          Vorläufiger Höhepunkt in der nach Aschermittwoch aufgeflogenen Finanzaffäre, deren Akteure im Mainzer Volksmund inzwischen als anrüchige Mitglieder einer „Handkäs-Mafia“ firmieren, war am vergangenen Dienstag die Durchsuchungsaktion in Wohnungen und Geschäftsräumen von Laub, einem Mainzer Unternehmer und dem Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). Nach dem Eingang mehrerer anonymer Strafanzeigen, deren brisanter Inhalt auch etlichen Medien zugespielt worden war, hatte die Staatsanwaltschaft Koblenz nach genauer Prüfung ein Ermittlungsverfahren gegen Laub, Beutel und den Unternehmer eingeleitet.

          Gegen den seit 1997 amtierenden, ehemaligen Richter Beutel besteht nach Auffassung der Ermittler der Anfangsverdacht der Untreue und der Vorteilsnahme. Der mit Beutel seit Jahren befreundete Laub wird ebenfalls der Untreue verdächtigt, zudem soll er in den Jahresabschlüssen der Wohnbau die Risiken durch die Finanzgeschäfte bewusst verschleiert haben. Bei der Durchsuchung seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden, teilte der zuständige Staatsanwalt lapidar mit, ohne Einzelheiten zu nennen.

          Nicht ausreichend „Distanz“ gewahrt

          Der nicht nur juristisch, sondern auch politisch brisante Vorwurf gegen den 62 Jahre alten SPD-Mann speist sich aus der offenbar fehlenden Distanz zwischen dem 61 Jahre alten Wohnbau-Chef Laub und Beutel, der als Aufsichtsratsvorsitzender des kommunalen Unternehmens eigentlich demonstrativ Abstand hätte halten müssen. Konkret wird Beutel vorgeworfen, dass er sich eine private Urlaubsreise zusammen mit seiner Frau am Tegernsee und dem Ehepaar Laub von der Wohnbau GmbH habe bezahlen lassen. Laub hatte Ende Mai von einem „Missverständnis“ gesprochen und eingestanden, dass die Wohnbau GmbH und nicht er als Privatperson die Reise für Beutel und dessen Frau bezahlt habe. Da man sich in Oberbayern mehrere Seniorenresidenzen angeschaut und dabei auch Geschäftliches besprochen habe, sei er von einem dienstlichen Anlass ausgegangen.

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