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Kerosin-Dumping : Der Regen bringt keinen Segen

Über Wohngebieten und Autobahnen soll der Treibstoffablass vermieden werden. Häufig entscheiden sich die Piloten für den unten liegenden Wald als Ablassstätte. Bild: Cornelia Sick

Der Kerosin-Ablass über dem Pfälzerwald ist hoch wie nie. Die Wut der Bürger steigt und somit regen sich auch die Politiker – doch präzise Messungen dürften sich als schwierig erweisen.

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          Auch wenn man das nie so genau weiß, so ist es doch mit ziemlicher Sicherheit ganz normaler Regen, der heute auf die Windschutzscheibe prasselt. Kein ominöser Kerosinregen, vor dem hier im Pfälzerwald die Angst umgeht. Cornelia Hegele-Raih steuert ihren Wagen langsam um die großen, kegelförmigen Berge. Oben die vielen Burgen, unten die Dörfchen, drumherum schier endloses Grün. Hegele-Raih ist Sprecherin der Initiative „Pro Pfälzerwald“. Die setzt sich in dem Biosphärenreservat gegen Windräder und für den Naturschutz ein. Seit ein paar Wochen hat sie ein neues, großes Aufregerthema: Kerosin-Dumping.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          92 Tonnen Kerosin hatte ein Flugzeug Ende Juli in 4300 Metern Höhe über dem Pfälzerwald abgelassen. Das sind, wie in Lokalzeitungen rasch vorgerechnet wurde, ungefähr 600 Badewannen voll Treibstoff. Die Frachtmaschine war in Luxemburg gestartet, hatte bald Fahrwerksprobleme gemeldet und war dann – anstatt wie geplant nach Singapur zu fliegen – wieder umgekehrt. Um das vorgeschriebene maximale Landegewicht zu erreichen, kreiste der Pilot vier Mal über dem Westen der Republik und dabei über dem Rand des Pfälzer Walds – und ließ Treibstoff ab. Wenige Tage später brach eine Maschine auf der Route Frankfurt-Pittsburgh den Flug ab und ließ acht Tonnen Kerosin ab. Beide Male hatten Anwohner die Fälle gemeldet, ihnen war aufgefallen, dass die Flugzeuge Kreise drehten und aus den Flügeln etwas abließen.

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