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Mahnmal für Sinti und Roma : „Wir haben jetzt einen Ort“

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Der Überlebende Reinhard Florian (rechts) und der Künstler Dani Karavan geben sich die Hand. Hinter ihnen Bundeskanzlerin Merkel, der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Kulturstaatsminister Neumann (ganz links) Bild: dpa

Es hat lange gedauert, nun wurde das „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“ in Berlin eröffnet. Der Weg dorthin war steinig.

          Gegen elf Uhr vormittags kam die Sonne heraus. Das wirkte wie ein günstiges Zeichen des Himmels für den Ort, zu dessen Eröffnung man in einem langen Zelt südlich des Reichtages zusammengekommen war. Kaum ein Redner versäumte es, auf die lange Zeit hinzuweisen, die zwischen Plan und Einweihung vergangen war: Über zwanzig Jahre lang wurde um das „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“ gestritten, gerungen, daran gebaut und wieder gestritten. Seit Mittwoch ist es fertig.

          Es liegt „an einem kleinen, unscheinbaren Platz, der sich dem Lärm der Großstadt entzieht“, wie der Künstler Dani Karavan schrieb, der es entwarf. Ganz so unscheinbar ist der Platz nicht, von ihm aus liegen der Reichstag und das Haus der Parlamentarische Gesellschaft in Sichtweite. Das neue Denkmal, darauf wies die Kanzlerin hin, liegt „mitten in Berlin“, und das ist durchaus angemessen, wie sie darlegte. Denn „mitten in Berlin“ habe auch „die Katastrophe ihren Lauf“ genommen, die bis heute Deutsche mit „Trauer und Scham“ erfülle.

          Zwanzig Jahre bis zur Fertigstellung eines Denkmals, das klingt eindrucksvoller als es ist. Denn das andere Denkmal, das 2005 endlich fertigwurde, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, brauchte immerhin siebzehn Jahre. Weil dieses Denkmal aber nicht der Opfer aller nationalsozialistischen Massenmorde gedenkt, sondern der jüdischen Opfer allein, wurden in Berlin für andere Opfergruppen der Nazis jeweils eigene Gedenkorte errichtet. Im Mai 2008 wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen fertig, das gegenüber dem Stelenfeld von Peter Eisenman im Tiergarten liegt. Nun wurde Karavans Denkmal übergeben. Im Herbst soll der Wettbewerb für ein Denkmal für die Opfer der Euthanasie stattfinden. Vor der Philharmonie steht zwar seit Jahren die Skulptur von Richard Serra „Berlin Curves“, die für die Euthanasieopfer errichtet wurde, und eine Tafel „Ehre den vergessenen Opfern“ erinnert an die Adresse Tiergartenstraße 4, von wo aus die Ermordung der Kranken und Hilflosen organisiert wurde. Doch wer noch nichts über diesen Ort weiß, tut sich schwer, die Skulptur und die Informationen zusammenzubringen.

          Es sei „ein besonderer, ein bewegender Augenblick“, sagte der Staatsminister für Kultur, Bernd Neumann, bei der feierlichen Eröffnung. Das Denkmal für die Sinti und Roma bilde einen „wichtigen Baustein in der deutschen Erinnerungskultur“. Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, bedankte sich ausdrücklich bei Neumann: „Sie haben dieses Denkmal zu Ihrer persönlichen Angelegenheit gemacht.“ Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, erinnerte daran, dass Berlin erst im vergangenen Jahr in Marzahn einen kleinen Gedenkort geschaffen hat. Dort wurden 1936, im Jahr der Olympischen Spiele, die Berliner Sinti und Roma unter unwürdigen Verhältnissen auf einem „Rastplatz“ festgehalten, von dem aus sie später deportiert wurden. Zoni Weisz, der 1944 als Siebenjähriger von einem holländischen Polizisten vor der Deportation bewahrt wurde, zeigte große Genugtuung darüber, dass dem „vergessenen Holocaust“ endlich Aufmerksamkeit zuteil werde: „Wir haben jetzt einen Ort“.

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