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Mahnmal für Sinti und Roma : Spätes Gedenken

  • -Aktualisiert am

Sinti und Roma werden in Europa noch immer diskriminiert. Doch kann nicht verschwiegen werden, dass sich ein großer Teil dieser Minderheit Leistungsanforderungen entzieht. Zur Abhilfe braucht es die unaufhörliche Anstrengung aller Beteiligten.

          Es ist beschämend für die deutsche Geschichtspolitik, dass es bis zum Jahr 1982 gedauert hat, bis ein Bundeskanzler die Ermordung von mehr als hunderttausend „Zigeunern“ in der Nazi-Zeit als Völkermord bezeichnete. Weitere dreißig Jahre hat es gebraucht, bis diesen Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns ein würdiges Denk- und Mahnmal gesetzt wurde. Es ist gewiss, dass dabei eine weiter wirkende Diskriminierung eine Rolle gespielt hat. Doch es gab auch Streit über die Ausgestaltung des Mahnmals und seiner Inschrift, für die verständliche Empfindlichkeiten auf Seiten der Sinti und Roma verantwortlich waren. Dass die Toten dieses Verbrechens nicht vergessen sind, sollte, zumindest symbolisch, die Präsenz des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin bei der Einweihung des Mahnmals zeigen.

          Ein großer Teil der Sinti und Roma sind heute unangepasst

          Aus der Geschichte zu lernen bedeutet, Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen, wenn und wo sie sich heute zeigen - und es gibt sie weiterhin im Verhältnis der Mehrheitsgesellschaften in Europa zu den Sinti und Roma, die überall eine vergleichsweise kleine Minderheit sind. Das kann aber nicht bedeuten, gegenwärtige Probleme einfach unter dem Mantel der Vergangenheit verschwinden zu lassen. Ein großer Teil der Sinti und Roma in Europa, und zwar gerade diejenigen unter ihnen, die an den Eigenarten ihrer Kultur und ihrer Lebensweise festhalten, sind heute unangepasst in dem Sinne, dass sie sich den Veränderungen einer Lebens- und Arbeitswelt entziehen, die mit ihren Leistungsanforderungen immer rigider wird. Einige wenige bringen es als „Exoten“, vor allem als Musiker, zu Ruhm; zu wenige schaffen den Aufstieg über die Bildungsinstitutionen unserer Gesellschaften; zu viele wandern als „fahrendes Volk“ weiter zwischen den Staaten hin und her, in der Hoffnung, einen Platz zu finden, wo sie wenigstens zeitweilig ein - meist erbärmliches - Auskommen haben.

          Dem ist weder durch Verleugnung der Probleme noch durch Scham- und Schuldgefühle abzuhelfen. Zur Abhilfe braucht es die unaufhörliche Anstrengung aller: der Regierungen in den osteuropäischen Ländern, wo die meisten Sinti und Roma herkommen, aber auch in unseren Staaten und Gesellschaften. Und schließlich bedarf es auch der Anstrengung, ja: Anpassung der Betroffenen selbst, ohne die sich an der Misere wenig ändern wird.

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