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Prozess gegen Magomed-Ali Ch. : „Wir hätten uns in die Luft gesprengt“

Prozess gegen Magomed-Ali Ch. am Donnerstag vor dem 6. Strafsenat des Berliner Kammergerichts Bild: AFP

Magomed-Ali Ch. soll mit anderen Islamisten, unter ihnen Anis Amri, einen Anschlag auf ein Berliner Einkaufszentrum vorbereitet haben. Vor Gericht bestreitet sein Verteidiger nicht, dass es den Plan gab – aber dass sein Mandant daran beteiligt war.

          Magomed-Ali Ch. will sich nicht fotografieren lassen, auch nicht mit einer Zeitung oder einem Stück Pappe vor dem Gesicht, wie es die meisten Angeklagten tun. Und weil die Berliner Justiz darauf verzichtet, ihn zwangsweise vor Prozessbeginn vorzuführen, müssen die Fotografen und Kameraleute ihre Bilder aus dem Gerichtssaal ohne den Angeklagten machen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Als der Prozess beginnt, sitzt ein junger Mann auf der Anklagebank hinter einer Glaswand, der einen dunklen kurz gestutzten Bart und eine feine Brille trägt. Auf die Fragen von Detlev Schmidt, dem Vorsitzenden Richter des 6. Strafsenats, antwortet Ch. leise auf Russisch, eine Dolmetscherin übersetzt. Ja, er sei 1987 in der russischen Teilrepublik Baschkortostan geboren, er sei „offiziell geschieden, aber jetzt verlobt“. Das alles klingt irgendwie harmlos.

          Bundesanwaltschaft wirft ihm „schwere staatsgefährdende Gewalttat“ vor

          Was Malte Merz, Oberstaatsanwalt am Bundesgerichtshof, dann in der Anklageschrift vorträgt, klingt ganz anders. Der heute 31 Jahre alte russische Staatsbürger, der in Dagestan an der Grenze zu Tschetschenien aufwuchs, habe gemeinsam mit dem in Frankreich inhaftierten Clément B. einen Anschlag in Deutschland verüben wollen. Ihr Ziel sei das Gesundbrunnen-Einkaufszentrum in Berlin gewesen. Dort gibt es mehr als hundert Geschäfte.

          Dafür hätten sie eine „nicht unerhebliche“ Menge des Sprengstoffs TATP hergestellt oder beschafft, den Ch. in seiner Wohnung in Berlin-Buch gelagert habe. Die „schwere staatsgefährdende Gewalttat“, die sie ausführen wollten, habe das Ziel gehabt, „möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen“, so der Vertreter der Bundesanwaltschaft.

          Ch. war Ende 2011 aus Dagestan nach Deutschland gekommen, er war nach Ansicht der Bundesanwaltschaft schon damals radikalisiert. Er habe in Berlin regelmäßig den „Unterricht“ an der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee besucht, an der sich eine Gruppe von Islamisten dem gewaltsamen Kampf für den Dschihad verpflichtet gefühlt habe. Ch. wollte dann nach Syrien zum „Islamischen Staat“ (IS) reisen. Doch nachdem Ermittler des Landeskriminalamts Berlin davon erfahren hatten, erließ die Ausländerbehörde ein Ausreiseverbot.

          Das Gesundbrunnen-Einkaufszentrum in Berlin

          Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft entschied sich der Angeklagte dann dazu, einen Anschlag in Deutschland zu begehen und forderte seinen Freund Clément B. auf, dafür nach Berlin zu kommen. Beide sollen sich 2013 in der islamistischen Szene im belgischen Verviers kennengelernt haben. B. soll engen Kontakt zu der belgischen Terrorzelle gehalten haben, die in Paris Ende 2015 und am Flughafen Brüssel im März 2016 verheerende Anschläge mit Hunderten Toten verübten. Er soll nach seiner Ankunft in Berlin im Juli 2015 noch mehrfach nach Belgien gereist sein und dort Ende Oktober 2015 von dem Sprengstoffexperten der Zelle beraten worden sein.

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