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Mafia in Deutschland : Paten der Provinz

Bleierne Betulichkeit: Im nordhessischen Melsungen ziehen Mafiosi im Streit schon mal den Revolver. Bild: Rainer Wohlfahrt

Hunderte Mitglieder der ’ndrangheta leben in Deutschland. Sie zwingen Wirten überteuerten Wein auf und bedrohen Konkurrenten. In Nordhessen zeigt sich, wie schwer es den Ermittlern fällt, gegen einen Clan vorzugehen.

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          Als Heiko F. im Frühjahr 2013 in einem Fachwerk-Städtchen in Nordhessen ein Eiscafé eröffnen wollte, konnte er kaum ahnen, dass ihm ausgerechnet die Mafia einen Strich durch die Rechnung machen würde. Der Konditormeister hatte zuvor eine alteingesessene Bäckerei übernommen und diese im Lauf der Jahre zu einer kleinen Kette ausgebaut, neun Geschäfte waren es insgesamt, darunter auch ein Eiscafé. Nun wollte er ein weiteres aufmachen. Die passenden Räume hatte er schon gefunden, die Pläne des Architekten für den Innenausbau waren fertig.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dann aber kam einer seiner Mitarbeiter auf ihn zu, ein Gelatiere, ein italienischer Eismacher. Er warnte F. Mit seinem neuen Eiscafé würde er Vincenzo B. Konkurrenz machen, der nicht weit von dem geplanten Standort zusammen mit seiner Tochter eine Eisdiele betrieb. Und B. sei sehr gefährlich. F. war erschüttert, zumal er B. kannte und immer wieder einmal Eis bei ihm gegessen hatte. Auch ein befreundeter Pizzabäcker, der aus demselben kalabrischen Dorf stammte wie B., sagte F.: Wenn du abends in Ruhe einschlafen willst, dann lass es lieber mit dem neuen Laden. Denn B. sei bei der Mafia und habe auch schon einige Jahre im Gefängnis zugebracht. „Die beiden hatten Angst vor Vincenzo, richtig Angst“, sagt F.

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