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Männliche Erzieher : Schon als Kind auf Mann geeicht

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Männer sind einsame Streiter: Erzieher wie Max Huber gibt es wenige Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Bundesregierung investiert viele Millionen Euro, um Männer für den Erzieherberuf zu begeistern - bisher ohne Erfolg. Neben den Männern ist auch die Wissenschaft nicht von den Programmen überzeugt.

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          Während der Erzieher Max Huber in einem Zimmer mit zwei Jungen und einer Heißklebepistole kleine Flugzeuge baut, sitzen einige seiner weiblichen Kollegen im Nachbarzimmer und unterrichten eine Gruppe von Kindern im Verkleben von Bügelperlen. Einen Moment lang sind die Geschlechterrollen im Stuttgarter Kinderhaus Bärcheninsel eindeutig verteilt. Für Huber, einen gelernten Schreiner, ist das Handwerken eine Selbstverständlichkeit, er gehört zu den wenigen männlichen Erziehern, die gegenwärtig in deutschen Kindertagesstätten beschäftigt sind.

          Wie das Familienministerium berichtet, lag deren Anteil im pädagogischen Bereich im Jahr 2010 bundesweit bei knapp drei Prozent. Noch kleiner wird die Zahl, wenn man kurzfristig Beschäftigte wie Zivildienstleistende, Praktikanten oder Jugendliche in ihrem freiwilligen sozialen Jahr in der Zählung nicht berücksichtigt. Für die Bundesregierung ist Max Huber die Lösung für ein seit langem beklagtes Problem. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat es als ihr persönliches Projekt bezeichnet, den Anteil männlicher Erzieher drastisch zu erhöhen.

          „Es ist mir ein großes Anliegen, und es ist für die Kinder wichtig, dass sie schon in der Kita und im Kindergarten männliche und weibliche Bezugspersonen haben“, sagte die Ministerin. Schröders Wunsch ist es, den Anteil männlicher Erzieher von knapp drei Prozent auf 20 Prozent zu erhöhen, die Europäische Union hat für den Staatenbund die gleiche Vorgabe formuliert. Ein - angesichts der aktuellen Zahlen - ambitioniertes Vorhaben. Um sich dieser Marke wenigstens anzunähern, läuft seit 2011 das Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas“, dessen Förderung dem Familienministerium und dem Europäischen Sozialfonds rund 13 Millionen Euro wert ist.

          Begeisterung bleibt gering

          Insgesamt unterstützt das Programm bundesweit 16 ausgewählte regionale und landesweite Projekte und Unternehmen, die sich das Ziel gesetzt haben, mehr Männer für den Erzieherberuf zu gewinnen. Die Erwartungen der Initiatoren waren hoch, allerdings bleibt die männliche Begeisterung für den Erzieherberuf trotz Förderung gering. Fachleute vermuten als Ursache mangelndes Prestige, geringes Gehalt und wenig Aufstiegschancen im Erziehergewerbe. So lag der Männeranteil auch 2012 bei nur 3,8 Prozent, was einem Anstieg von gerade einmal 0,8 Prozent seit Beginn des Projekts entspricht.

          Die von Kristina Schröder gewünschte Marke liegt nach wie vor in weiter Ferne. Und auch in theoretischer Hinsicht droht der Ministerin Ungemach. Viele Wissenschaftler bestreiten, dass es für die Behauptung, eine höhere Zahl von männlichen Erziehern sei zum Vorteil der Kinder, einen profunden Beleg gibt. Entsprechende Forderungen beruhen nach aktuellem Stand der Erziehungswissenschaft zum größten Teil auf schlichten Plausibilitätsannahmen. Zwar argumentierte das Familienministerium 2010, mit Verweis auf entsprechende Studien, dass das Fehlen männlicher Bezugspersonen in der Entwicklungsphase von Kindern sich unter anderem nachteilig auf die Bildungschancen und das soziale Bindungsverhalten, insbesondere von Jungen, auswirke.

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