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Guttenberg, Schulz und Merz : Wie wird man Erlöser?

Im Schweiße seines Angesichts: Friedrich Merz (hier beim Bundesparteitag im März 2018 in Hamburg) kämpfte vergeblich um den CDU-Vorsitz. Bild: Imago

Guttenberg, Schulz und Merz sind grundverschieden, haben aber alle drei einen kometenhaften Aufstieg – und zwei einen ebensolchen Abstieg – in der politischen Arena hingelegt, der so erstaunlich wie erklärungsbedürftig ist. Über die Sehnsucht nach Heilsbringern.

          10 Min.

          Am 9. November 2007 wurde in Deutschland das iPhone eingeführt. Ein Jahr später fingen die Menschen nicht nur an, sich an die beispiellose Beschleunigung ihres Lebens durch die Allgegenwart eines Internetzugangs zu gewöhnen und an die blitzschnelle Meinungsbildung über soziale Medien, sondern die CSU bekam einen neuen Generalsekretär. Das war am 30. Oktober 2008. Der 36 Jahre alte Mann hieß Karl-Theodor zu Guttenberg. Später sollte der einstige Außenminister Joschka Fischer über den kometenhaften Aufstieg Guttenbergs sagen: „Eine Karriere scheinbar aus dem Nichts. Der erste deutsche Spitzenpolitiker der Twitter- und Facebook-Generation.“ Nach gut zwei Jahren, in denen Guttenberg wie selbstverständlich zugetraut wurde, Bundeskanzler zu werden, stürzte das politische Traumschloss – vordergründig wegen einer gefälschten Doktorarbeit – in sich zusammen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Sache sollte kein Einzelfall bleiben. Keine sechs Jahre später schoss der nächste Superstar „scheinbar aus dem Nichts“ in den deutschen Politikhimmel. Am 24. Januar 2017 wurde der bis dahin nur als Europapolitiker erfahrene und bekannte Sozialdemokrat Martin Schulz überraschend zum Kanzlerkandidaten der SPD für die Wahl im September ausgerufen. Zwei Monate später wählten die Delegierten eines Parteitags ihn mit hundert Prozent der Stimmen – dem besten Ergebnis der Nachkriegszeit – zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten. Ganze sechs Monate später hatte Schulz einen weiteren Nachkriegsrekord in seinem Lebenslauf: das schlechteste Ergebnis, das die SPD bei einer Bundestagswahl erzielt hatte.

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