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Mädchen in Kiel bedrängt : Polizei sichert Fotos der Opfer

Zunächst hieß es von der Polizei, die Afghanen lebten schon länger in Kiel. Inzwischen ist von Asylbewerbern die Rede. Bild: dpa

Mehrere junge Männer hätten im Kieler Einkaufszentrum „Sophienhof“ Mädchen „massiv belästigt“, hieß es vor einer Woche von der Polizei. Doch es bestehen weiter Unklarheiten, was tatsächlich vorgefallen ist.

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          Eine Woche nach den Übergriffen einer Gruppe von jungen Afghanen auf drei Mädchen im Kieler Einkaufszentrum „Sophienhof“ hat die Polizei auf den Handys der hauptverdächtigen Flüchtlinge Fotos der Opfer sichergestellt. Jetzt müsse gerichtsfest geklärt werden, wo genau die Fotos aufgenommen wurden, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt am Mittwoch in Kiel vor dem Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. Möglicherweise könnten die Bilder auch von Facebook-Seiten der Frauen stammen.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zunächst hatte es von der Polizei geheißen, sie habe keine Fotos gefunden. Gutt bedauerte, dass die Polizei in einer Stresssituation einen Fehler in ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu den Übergriffen gemacht habe. Weiter gibt es Unklarheiten darüber, was tatsächlich vorgefallen war. Die jungen Männer hätten die Mädchen „massiv belästigt“, hieß es vor einer Woche von der Polizei. Zu körperlichen Übergriffen sei es aber nicht gekommen.

          Die Mädchen hatten ausgesagt, zwei Afghanen hätten sie mit ihren Handys fotografiert und gefilmt. Sie hätten die Fotos dann an Freunde weitergeleitet. Daraufhin seien mehr Personen dazugekommen. Gegen zwei Afghanen, 19 und 26 Jahre alt, haben Polizei und Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung, Widerstands gegen Polizisten und Körperverletzung eingeleitet. Unbestritten ist, dass sich die 15, 16 und 17 Jahre alten Mädchen belästigt fühlten, weil sich die jungen Männer unaufgefordert zu ihnen setzten mit Sprüchen wie „Ich liebe dich“ und „Ich will dich küssen“. Zwei flohen zunächst vor diesen Zudringlichkeiten, kehrten dann aber zu der dritten Freundin zurück, um ihr zu helfen. Unbestritten ist auch, dass Passanten aus dem Einkaufszentrum die Situation mitbekamen, den Wachschutz informierten, der wiederum die Polizei holte.

          Als Zeuge wird noch immer ein Mann gesucht, der während des Vorfalls mit den Mädchen sprach. Als die beiden Polizeistreifen eintrafen, saßen fünf junge Männer bei den Mädchen, wobei einer von ihnen nach Polizeidarstellung nichts mit den Belästigungen zu tun hatte. Die vier anderen Männer wehrten sich gegen die Polizisten mit Tritten und Spucken. Alle vier wurden zunächst festgenommen. Zwei Personen wurden noch am selben Abend, die beiden anderen einen Tag später wieder auf freien Fuß gesetzt. Zunächst hieß es, die Afghanen lebten schon länger in Kiel. Inzwischen ist von Asylbewerbern die Rede. Die Polizei hatte eine eigene Ermittlergruppe eingesetzt. Seit den Ausschreitungen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg reagiert die Polizei besonders empfindlich auf Situationen wie im Kieler „Sophienhof“.

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