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Machtwechsel in Thüringen : Ein Schlamassel für CDU und FDP

Mike Mohring gratuliert am Mittwoch im Erfurter Landtag Thomas Kemmerich. Bild: Reuters

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wird Mühe haben, die Thüringer Verhältnisse als zukunftsträchtig darzustellen. Dass sich die CDU in Erfurt auf das Spiel der AfD eingelassen hat, dürfte für die Bundespartei zur Zerreißprobe werden.

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          Ist das der Dammbruch? Es musste der CDU in Thüringen klar sein, dass es so kommen würde, wenn ihre Fraktion im Thüringer Landtag im dritten Wahlgang den FDP-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten unterstützt. Das konnte sich die AfD nicht entgehen lassen: Indem sie ihren eigenen Kandidaten fallen ließ und ebenfalls den FDP-Kandidaten unterstützte, war die „Brandmauer“ durchbrochen, die der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck noch um Bodo Ramelow, den rot-rot-grünen Kandidaten, ziehen wollte. Das taktische Manöver der AfD war mindestens so durchschaubar wie das der CDU. Das wird der CDU den Vorwurf eintragen, „Komplize“ in einem politischen Husarenstück der FDP zu sein.

          CDU und FDP sitzen damit in dem Boot, in das sie eigentlich nicht einsteigen wollten. Denn welche Regierung auch immer aus dieser Wahl hervorgeht (wahrlich eine Minderheitsregierung!), sie wird mit dem Vorwurf leben müssen, eine Regierung von Gnaden der AfD zu sein, einer Landespartei zumal, die der Verfassungsschutz wie kaum eine andere im Visier hat. Die muss nun beweisen, dass sie mehr kann als Höcke-Sprüche zu klopfen. Das wird die AfD vielleicht zum Wolf im Schafspelz machen, aber doch zu einem, der mitreden und mitentscheiden möchte.

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