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Machtkampf in der CSU : Seehofers Tage der Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Horst Seehofer spricht im Oktober vor Beginn der CSU-Vorstandssitzung in München mit Journalisten, während im Hintergrund Markus Söder vorbeiläuft. Bild: dpa

Die CSU-Landtagsfraktion droht, den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 selbst zu bestimmen. Söder hat sich schon in Stellung gebracht. Aber auch andere werden am Montag Seehofers Erbe antreten wollen.

          Einen neuen Wochentag hat die CSU eingeführt, den „Tag der Wahrheit“. An ihm wird traditionell nach Nachfolgern für den Parteivorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gesucht. Dabei ist nichts ausgeschlossen – auch dass Seehofer sein eigener Nachfolger wird, ist möglich, zumindest in einem seiner beiden Führungsämter. In der vergangenen Woche war ein besonders heiterer „Tag der Wahrheit“: Seehofer kündigte mit großer Geste an, er werde im Parteivorstand seine persönlichen Zukunftspläne bekanntgeben.

          Die CSU-Landtagsfraktion, die zuvor tagte, war schwer begeistert; es fehlte nur noch, dass Seehofer auf Abgeordnetenschultern durch das Maximilianeum getragen wurde unter Absingen von „For he’s a jolly good fellow“. Im Parteivorstand schwieg Seehofer dann mit großer Ausdauer zu seinen Absichten.

          Zumindest die Anhänger von Markus Söder verspürten nach diesem „Tag der Wahrheit“ einen heftigen Kater. In dieser Woche nahm die Landtagsfraktion, die sich gerne als „Herzkammer“ der Partei sieht, den „Tag der Wahrheit“ in die eigenen Hände; ihr Vorstand beriet hinter verschlossenen Türen das weitere Vorgehen.

          Am nächsten Montag soll zunächst die Fraktion zusammentreten und hören, was Seehofer dann zu sagen hat – sprich, ob er irgendwie in seiner Entscheidungsfindung weitergekommen ist. Danach soll „vermutlich“, wie es der Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer – aus Erfahrung vorsichtig geworden – formulierte, in der Fraktion ein Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres bestimmt werden.

          Wie groß ist Söders Gefolgschaft wirklich?

          Also wieder ein „Tag der Wahrheit“ am nächsten Montag – es wird nicht der letzte bleiben, schließlich tritt in der Woche darauf der CSU-Parteitag zusammen, der einen Parteivorsitzenden wählen muss; Seehofers gegenwärtige Amtsperiode endet dann. Wenig erstaunlich, dass es schwer fällt, vor lauter „Tagen der Wahrheit“ die Wahrheit zu sehen, sprich wie die Kräfteverhältnisse in der CSU sind. Einige sind sich sicher, dass Markus Söder, der Finanzminister, auf dem Sprung ist, gebietet er doch über eine ansehnliche Gefolgschaft in der Landtagsfraktion. Spötter verbreiten, Söder habe bei so vielen Abgeordneten Hoffnungen auf ein Avancement geweckt, dass er gleich mehrere Kabinette bilden könne.

          So gesehen, wird es für manche dieser Aspiranten einen „Tag der Wahrheit“ geben, an dem sie erkennen müssen, dass auch ein stellvertretender Ausschussvorsitz ein wunderbares Amt ist. Die genaue Stärke der Kampfgruppe Söder in der Fraktion ist kaum abzuschätzen – sie dürfte mindestens ein Drittel der 101 CSU-Abgeordneten umfassen. Ihr stehen versprengte Formationen gegenüber, die teilweise Joachim Herrmann, den Innenminister, teilweise Ilse Aigner, die Wirtschaftsministerin favorisieren; aber ob Herrmann und Aigner am Montag, sollte es zu einer Abstimmung über die Spitzenkandidatur kommen, überhaupt antreten, stand am Mittwoch noch nicht endgültig fest. Es wurde zwar gemeldet, dass Herrmann dazu bereit sei, aber der Innenminister wollte es nicht bestätigen.

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