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Machtkampf bei der AfD : Farm der Alternative

Die gesamte Parteiführung konnte deshalb lesen, wie Adam gegen Lucke wetterte. „Bernd Lucke hat allein, ohne Rücksprache und ohne Zustimmung mit uns (sic), gehandelt“, schrieb Adam zunächst. Mit jeder Zeile wirkte Adam zorniger. „Ich kann mich nicht erinnern, Bernd Lucke, dessen Verdienste unbestritten sind, jemals in einer Weise angegriffen oder auch nur kritisiert zu haben, die ein derart eigenmächtiges Vorgehen rechtfertigen könnte“, so Adam weiter.

Mit einem „traurigen Gruß“ und dem Satz „Wir wollen keine Partei, in der die einen Tiere gleicher sind als die anderen“ beendete Adam seinen Frontalangriff – in Anspielung auf den Roman „Farm der Tiere“ von George Orwell, ein Buch über die Unterdrückung von Tieren durch einen Bauern namens Jones.

Henkel attackiert Adam

Doch der Jähzorn unter den Funktionären hatte da erst seinen Anfang gefunden. 25 Minuten nach Adams E-Mail setzte sich Hans-Olaf Henkel an die Tastatur, der stellvertretende Parteivorsitzende und Lucke-Sympathisant. „Lieber Herr Adam“, begann Henkel seine Nachricht, die in ihrer Schärfe wohl ohne Beispiel ist in der noch jungen Geschichte des AfD-Bundesvorstands.

Henkel schrieb: „Eine solche – verzeihen Sie – niederträchtige Antwort auch noch an einen solchen großen Verteiler zu senden, hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“ Und er fuhr fort: „Sie sind total von der Rolle und merken es offensichtlich nicht einmal. Sie scheinen von Enttäuschung über Ihre Bedeutung in der Partei und von Ihrem Ehrgeiz zerfressen zu sein. Sie können Herrn Lucke nicht im entferntesten das Wasser reichen. Anstatt das anzuerkennen und sich für das Wohl der Partei einzusetzen, sind Sie nur noch destruktiv – in der Presse mit Ihren immer schrulligeren Pressemitteilungen und weil Sie Herrn Lucke mit immer größerer Energie immer aufs Neue ein Bein stellen. Nebenbei machen Sie sich selbst immer lächerlicher. Was für ein Absturz! Gibt es in Ihrem Umfeld denn niemanden mehr, der Ihnen mal den Spiegel vorhält? Was müssen Ihre ehemaligen Kollegen, Freunde und Verwandten eigentlich aushalten? Selten wurde ich Zeuge einer so dramatischen Persönlichkeitsveränderung. Ein Drama! Ich hoffe, der letzte Akt wird bald aufgeführt und Sie treten von der Bühne“, schloss die E-Mail, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

Offenes Zerwürfnis

Der stellvertretende Parteivorsitzende hatte einen der Vorsitzenden mal eben zum Rücktritt aufgefordert, da war es erst 20.06 Uhr. Und die Parteivorsitzende Frauke Petry und der Stellvertreter Alexander Gauland hatten noch gar nichts zu dem Zerwürfnis beigetragen.

Beide setzten eine E-Mail an Lucke und alle Landesvorsitzenden auf – gemeinsam mit den Europaabgeordneten Marcus Pretzell, der Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen ist, und Beatrix von Storch, die in der Partei als konservativer Falke gilt. Adam unterzeichnete das Schreiben ebenfalls. Es war kein Brief von Freunden. Zur Arbeitsatmosphäre im AfD-Bundesvorstand lässt sich sagen, dass Lucke nach F.A.Z.-Informationen bei einer Vorstandsklausur in Regensburg vor einigen Wochen einen Wutausbruch gehabt haben soll. Wichtiger als der Grund für den damaligen Streit war der Teil der Anekdote, in dem Gauland – just als Lucke in sehr erregtem Zustand gewesen sein soll – diesen ausgelacht haben soll. Es könnten Verletzungen von dieser Sorte sein, die in Krisen wieder zum Tragen kommen.

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