https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/maas-kritisiert-querdenken-rednerin-17065245.html

Nach „Querdenken“-Demo : Maas kritisiert Rednerin für Vergleich mit Sophie Scholl

  • Aktualisiert am

Außenminister Heiko Maas (Archivbild) Bild: dpa

Eine junge Frau verglich sich auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen mit Sophie Scholl. Außenminister Maas kommentiert das mit deutlichen Worten.

          1 Min.

          Außenminister Heiko Maas hat eine junge Frau kritisiert, die sich auf einer „Querdenken“-Demonstration mit Sophie Scholl verglich. „Wer sich heute mit Sophie Scholl (...) vergleicht, verhöhnt den Mut, den es brauchte, Haltung gegen Nazis zu zeigen“, twitterte er am Sonntag. „Nichts verbindet Coronaproteste mit Widerstandskämpfer*Innen.“

          Der Auftritt der Rednerin bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag in Hannover löste heftige Reaktionen im Netz aus. Auf einem Video, das bei Twitter bis zum Sonntagmorgen über 1 Million Mal angeklickt und mehrere Tausend Male kommentiert wurde, ist eine junge Frau zu sehen, die auf einer kleinen Bühne in der Nähe der Oper zum Publikum spricht. „Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde“, sagt sie.

          Nach wenigen Sätzen taucht ein junger Mann vor der Bühne auf. „Für so einen Schwachsinn mache ich doch keinen Ordner mehr“, protestiert er und reicht der Frau sein orangefarbenes Leibchen. Es gehe hier um eine „Verharmlosung vom Holocaust“, die „mehr als peinlich“ sei. Die Rednerin entgegnet: „Ich habe doch gar nichts gesagt.“ Dann beginnt sie zu weinen und wirft ihr Mikrofon weg. Polizisten erscheinen und geleiten den Mann von der Bühne weg.

          Viele Twitter-Nutzer markierten das Video mit „Gefällt mir“, während des Auftritts der Frau ist vereinzelt Applaus zu hören. Doch in den Kommentarspalten gibt es auch Empörung und Ablehnung: Die Parallelen zu Sophie Scholl seien verantwortungslos, die Gleichsetzung mit dem Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zur NS-Zeit sei beschämend. Der junge Mann bekommt hingegen Zuspruch. Ein Nutzer etwa schrieb: „Respekt für den Ex-Ordner, der die Verhöhnung der realen Holocaust-Opfer erkannte und sich dagegen stellte.“

          In einem Bericht tauchten derweil Zweifel auf, ob es sich bei dem Mann wirklich um einen Ordner handelte. Nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ soll er zur örtlichen linken Szene gehören, bei vielen anderen Demonstrationen in Erscheinung getreten sein und seine Gegenaktion zu dem „Sophie-Scholl“-Auftritt inszeniert haben. Unklar war auch, ob er bei den Veranstaltern der lokalen „Querdenken“-Kundgebung als Ordner registriert war. Die Polizei Hannover hatte vorerst keine Hinweise auf eine Manipulation: „Das war auch kein Sachverhalt, der eine Maßnahme erfordert hätte.“ Die Registrierung der Ordner sei Sache der Versammlungsleitung.

          Weitere Themen

          Machtpoker im Rathaus

          Dresdner Stadtrat : Machtpoker im Rathaus

          In Dresden haben sich Stadtrat und Oberbürgermeister im Kampf um wichtige Posten hoffnungslos verheddert. Die Kommunalaufsicht droht schon damit, einem Amtsverwalter einzusetzen.

          Topmeldungen

          Niedersachsen, Hannover: Auf mehreren Tafeln in der Innenstadt wird auf die Probewarnung am Warntag hingewiesen. Am 08.12.2022 um 11 Uhr wurde bundesweit die Infrastruktur zur Warnung der Bevölkerung getestet.

          Bundesweiter Warntag 2022 : Viele Handys bleiben stumm

          Wie viele Smartphones am Donnerstag trotz Warntag stumm geblieben sind, ist noch unklar. Aber es waren einige. Der Präsident des Bundesamts für Katastrophenhilfe spricht trotzdem von einem Erfolg.
          Kurzer Lichtblick zwischen zwei Tunnelstrecken: ICE auf Testfahrt über die neue Filstalbrücke.

          Ein Stück Stuttgart 21 : Alb-Traum

          Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember wächst das ICE-Netz um 60 schnelle Kilometer. Es ist der Anschluss an die Neubaustrecke des noch nicht fertigen, umstrittenen Projekts Stuttgart 21.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.