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Maas besucht Auschwitz : „Wir brauchen diesen Ort“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Bild: dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas zeigte sich von seinem Besuch der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz bewegt. Einen verpflichtenden Schulbesuch lehnt er jedoch ab. Im Anschluss traf noch den polnischen Außenminister.

          Außenminister Heiko Maas hat am Montag das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz in Polen besucht. Es sollte ein persönlicher Besuch werden, den mit Maas zum ersten Mal seit 28 Jahren ein deutscher Außenminister dem Ort abstattete. Maas wählte entsprechende Worte: „Wenn ich in Auschwitz bin, begegne ich meinen Zweifeln an Gott, meinem Misstrauen gegenüber Menschen, meiner Verachtung gegenüber einem Teil der Geschichte“, sagte er während einer Begegnung mit deutschen und polnischen Jugendlichen. Den Minister begleitete der Auschwitz-Überlebende Marian Turski, der seit 60 Jahren Geschichtsredakteur des Warschauer Wochenblatts „Polityka“ ist.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Auschwitz ist heute Ort vieler internationaler Jugendbegegnungen und überdies mit zwei Millionen Besuchern im Jahr Polens am häufigsten besuchter Erinnerungsort. Maas sagte, auf dieser Jugendarbeit „wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt unseres Engagements liegen“. Das anschließende Treffen mit dem polnischen Außenminister Jacek Czaputowicz fand einige Kilometer weiter statt, im Franziskanerkloster Harmeze. Die Wahl des Ortes sollte an den Franziskanerpater Maximilian Kolbe erinnern, der sich in Auschwitz, als ein polnischer Familienvater in den Hungerbunker geschickt werden sollte, im Austausch für diesen anbot und an dessen Stelle in den Tod ging.

          Maas zeigte sich bewegt von dem Besuch in der Gedenkstätte. Er habe „Tausende Kinderschuhe“ und „Tonnen von menschlichem Haar“ gesehen, das den Menschen vor der Vergasung abgenommen wurde, sagte Maas. Das sei „in Worten schwer zu fassen“. Auschwitz sei „der schrecklichste Ort der Welt“. Hier müsse man sich entscheiden: „Entweder verliert man den Glauben an die Menschlichkeit oder man gewinnt die Hoffnung und die Kraft, dafür einzutreten, dass die Menschenwürde gewahrt wird, und tut etwas dafür.“ Auschwitz erinnere die Deutschen daran, „was wir anderen millionenfach angetan haben“, sagte der Außenminister. „Wir brauchen diesen Ort, denn unsere Verantwortung endet nie.“ Auf die Frage, ob Besuche in KZ-Gedenkstätten im Schulunterricht verpflichtend sein sollten, sagte Maas, es müssten möglichst viele Menschen diese Reise antreten. „Aber verpflichten möchte ich dazu niemand.“

          Trump und Czaputowicz stimmen bei der Nordstream 2 überein

          Czaputowicz sagte, er hoffe, dass man weiter bei der Aufarbeitung der Geschichte zusammenwirken werde. Der Minister sprach die Lage der wachsenden polnischen Gemeinschaft in Deutschland an: „Uns liegt an Unterstützung durch die deutschen Behörden, zum Beispiel beim Polnischunterricht.“ Zudem bat er Maas um Informationen über die Begegnung der Bundeskanzlerin und des russischen Präsidenten am Wochenende, um zu einer besseren „Interpretation“ dieses Treffens zu kommen. Polnische Medien hatten kritisch über die Begegnung berichtet. Zur geplanten Gasleitung Nord Stream 2 sagte Maas, da gebe es von deutscher Seite „nicht viele Neuigkeiten“. Man erwarte weder eine übermäßige Abhängigkeit bei Energielieferungen von Russland noch eine Gefahr für das heutige Gastransitland Ukraine. Czaputowicz machte dagegen, ausdrücklich im Einklang mit dem amerikanischen Präsidenten, seine abweichende Meinung deutlich. Die Einkünfte aus dem Gasexport würden es Russland ermöglichen, weiter eine aggressive Außenpolitik zu finanzieren. Nach dem Bau von Nord Stream 2 sei zudem der Gastransit durch die Ukraine „nicht zu rechtfertigen“.

          Während einer Pressekonferenz wurde Czaputowicz auch gefragt, ob seine Regierung an dem Plan festhalte, von Deutschland Reparationen für die Kriegszerstörungen zu fordern. Der Minister, der als gemäßigtes Gesicht des Kabinetts nach außen gilt, antwortete mit dem Verweis auf die europaweite Verteilung von Kriegsschäden und Kriegsreparationen nach 1945. Unter Bezugnahme auf eine Benachteiligung Polens sagte er: „Da fallen Disproportionen ins Auge.“ Man werde hoffentlich noch darüber reden.

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