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„Luther-Botschafterin“ : Margot Käßmanns Thesenanschlag

Wieder Frau der Kirche: Margot Käßmann als Botschafterin des Rates der EKD Bild: dpa

Am Freitag hat die frühere EKD-Ratsvorsitzende ein neugeschaffenes Amt angetreten. Welche Züge wird Käßmanns Luther für das große Jubiläum 2017 tragen?

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          In den Gerüchteküchen der Republik war der Name Margot Käßmann seit ihrem Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende im Februar 2010 eine begehrte Zutat. Als was war die 53 Jahre alte Theologin nicht alles im Gespräch - Bischöfin in mehreren Landeskirchen, Oberbürgermeisterin der Städte Stuttgart und Frankfurt, SPD-Politikerin in Niedersachsen, Bundespräsidentin zunächst in der Nachfolge von Horst Köhler und dann von Christian Wulff.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Mit ihrer Einführung als „Luther-Botschafterin“ in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an diesem Freitag dürfte solchen Spekulationen exakt bis zum 31. Oktober 2017, wenn sich der Wittenberger Thesenanschlag Martin Luthers zum fünfhundertsten Mal jährt, der Boden entzogen sein. Margot Käßmann wird als Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum, so ihre offizielle Bezeichnung, wieder deutlich als Frau im Dienst der Kirche erkennbar sein.

          Mit Teilzeitmodell und beidseitigem Nutzen

          In den 26 Monaten seit ihrem Rücktritt war das nicht immer so. Ob sie als Dozentin in Atlanta lehrte, als Gastprofessorin in Bochum wirkte oder als Jurorin für den „Bestattungen.de-Award“ Deutschlands schönste Urne prämierte, Frau Käßmanns Rolle changierte zwischen freischaffender Prophetie und spiritueller Leiharbeit - denn eigentlich war sie die ganze Zeit über Pfarrerin im Wartestand.

          Nach zehn Jahren Dienst als hannoversche Landesbischöfin bezog sie weiterhin ihr altes Gehalt und musste dafür Einkünfte wie die Bochumer Professorenbesoldung an ihre Landeskirche abführen, wie es die entsprechenden Vorschriften vorsehen. Auch als „Luther-Botschafterin“ mit Büro am Berliner Gendarmenmarkt wird Frau Käßmann, die schon seit geraumer Zeit in der Hauptstadt lebt, weiter im Dienst ihrer alten Landeskirche stehen. Die Finanzierung der neugeschaffenen Stelle einer EKD-Botschafterin gilt als Beitrag Hannovers zum großen Reformationsjubiläum.

          Ihre neue Aufgabe geht Margot Käßmann Schritt für Schritt mit einem Teilzeitmodell an: Sie startet zunächst mit einer 50-Prozent-Stelle, die von April 2013 an auf 75 Prozent aufgestockt und erst von April 2014 an eine volle Stelle sein wird. Beide Seiten, Frau Käßmann und Kirche, haben also Gelegenheit, sich allmählich wieder aneinander zu gewöhnen. Lässt man den offiziösen Anstrich als „Botschafterin des Rates der EKD“ einmal beiseite, ist die neugeschaffene Stelle auch genau dies: der Versuch, die bekannten Reibungsflächen zu beiderseitigem Nutzen zu minimieren.

          Frau Käßmann kann als „Luther-Botschafterin“ weiter ihre äußerst erfolgreiche, auf Events und Buchprojekte bezogene Arbeitsweise fortführen. Sie muss nicht in die Mühle jenes Gremienprotestantismus zurückkehren, von dem sie schon als Landesbischöfin glaubte, dass man sich dort vor allem „den Hintern platt sitzt“. Die Kirche wiederum kann Frau Käßmanns Strahlkraft nutzen, um mit ihrer Hilfe Sponsoren zu gewinnen und auch über die deutschen Grenzen hinaus für das große Jubiläum 2017 zu werben, vor allem aber dazu, Martin Luther im Speziellen und den evangelischen Glauben im Allgemeinen bis dahin zu einem bedeutenden Thema in der Öffentlichkeit zu machen.

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