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Regierungs-Airbus : Lufthansa verursachte offenbar Panne bei Merkels G-20-Flug

  • Aktualisiert am

Auf dem Weg zum G-20-Gipfel in Buenos Aires kam Angela Merkel Ende November vorerst nur bis Köln Bild: dpa

Auslöser für die unfreiwillige Zwischenlandung der Kanzlerin auf dem Weg nach Buenos Aires war einem Bericht zufolge eine defekte Lötstelle. Doch ein Fehler der Lufthansa machte wohl alles noch schlimmer. Jetzt reagiert das Unternehmen – und dementiert die Vorwürfe.

          Die ungewollte Zwischenlandung des Regierungs-Airbus in Köln auf dem Weg zum G-20-Gipfel in Buenos Aires sorgte Ende November für Aufregung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) trafen nach dem Zwischenfall erst mit Verspätung bei dem Treffen der Gruppe der zwanzig wichtigsten Staats- und Regierungschefs ein – mit einem Linienflug der spanischen Airline Iberia. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ soll die Panne „maßgeblich“ durch einen Fehler der Lufthansa verursacht worden sein.

          Lufthansa-Technik, ein Tochter-Unternehmen der Fluggesellschaft, wartet den A340 der Flugbereitschaft seit 2009 regelmäßig. Wie dem „Spiegel“ zufolge aus einem vertraulichen Bericht des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr vom 15. Dezember hervorgeht, gab die Lufthansa 2010 nach einer der Wartungen eine wichtige Information nicht an die Flugbereitschaft weiter: die über ein neu eingebautes digitales Kommunikationssystem.

          Auch ein vom Flugzeughersteller Airbus stammendes Service-Bulletin für solche Veränderungen sei nicht weitergereicht worden. Allerdings gibt es nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung keine Pflicht, in diesen Fällen den Tausch von Kommunikationssystemen anzuzeigen.

          Lufthansa-Technik reagierte am Donnerstag auf den „Spiegel“-Bericht – und wies die Vorwürfe zurück. Es seien „zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtlichen Vorgaben eingehalten“ worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. „Das gilt auch für den Umgang mit Dokumentationspflichten.“

          Nun hat auch das Verteidigungsministerium dem Bericht widersprochen. „Maßgeblich für den Zwischenfall war ein Ausfall eines Bauteils, in der Folge auch der Funkgeräte. Dies liegt nicht an Lufthansa Technik“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das Flugzeug war immer in einem sicheren Zustand, und die Sicherheit an Bord war immer gewährleistet“, betonte er.

          „Fehlerhafte Lötstelle“

          Die Bundeswehr hat die Panne auf dem Regierungsflug Ende November, die für sie ziemlich peinlich war, noch einmal analysiert. In einem vierseitigen Dossier führt Brigadegeneral Peter Clement, der bei der Bundeswehr für alle Flugunfälle zuständig ist, nach „Spiegel“-Informationen auf, welche Umstände zu dem Vorfall geführt haben. Kurz nach dem Start der Regierungsmaschine habe eine „fehlerhafte Lötstelle“ an einem Transformator einen Stromausfall in Teilen der Bordelektronik verursacht.

          Transformatoren dienen dazu, den durch Turbinen erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom umzuwandeln. Die Transformator-Einheiten sind in jedem Flugzeug redundant verbaut, so dass bei einem Ausfall direkt andere einspringen und so die wichtigsten Bordgeräte, wie etwa die Funkverbindung, weiter mit Strom versorgt werden. Der Ausfall einer Lötstelle stellt damit in der Regel kein größeres Problem dar.

          Wie der „Spiegel“ aber mit Bezug auf den Bericht der Bundeswehr berichtet, wurde die Notstromversorgung im Regierungs-Airbus „Konrad Adenauer“ aber durch „mehrere defekte Umschaltrelais“ direkt wieder lahmgelegt. Deshalb sei das gesamte Funksystem tot geblieben – und den Piloten gelang es nur mit dem Satellitentelefon, den Kommandostand in Köln zu erreichen.

          An diesem Punkt entwickelte dem „Spiegel“ zufolge der Fehler von Lufthansa-Technik seine fatale Wirkung. 2010 sei in die Regierungsmaschine ein digitales „Audio Management Unit“ (AMU) eingebaut worden, das die gesamte Kommunikation kontrolliert, im Flugzeug selbst, aber auch mit dem Bodenpersonal. Im Gegensatz zu den zuvor verwendeten analogen AMU könne bei den digitalen Bauteilen im Fall eines Stromausfalls „die Kommunikation nicht wiederhergestellt werden“, zitiert der „Spiegel“ den Bundeswehr-Bericht.

          Alle Piloten sollen künftig Bescheid wissen

          Der Flugzeughersteller Airbus habe allen A340-Kunden deshalb schon vor Jahren eine Notfallanleitung zugesendet, berichtet das Nachrichtenmagazin. Darin werde erklärt, wie sich die Funkanlage wieder mit Strom versorgen lasse, um die Kommunikation mit dem Boden wieder aufnehmen zu können. Doch von dieser Anleitung hätten die Piloten der „Konrad Adenauer“ nichts gewusst. Das Verhalten des Bordsystems habe „nicht der aktuellen Dokumention“ entsprochen, heißt es laut „Spiegel“ in dem Bundeswehr-Bericht. Deshalb seien die Piloten nicht in der Lage gewesen, die Funkverbindung wieder zu aktivieren.

          Die Flugbereitschaft hat laut „Spiegel“ nun angeordnet, dass alle Piloten unverzüglich über die neue Technik und die entsprechende Notfallanleitung von Airbus unterrichtet werden müssten. So sollen Situationen wie die im November, als Merkel auf dem Weg zum G-20-Gipfel wieder umkehren musste, künftig vermieden werden.

          Konsequenzen aus der defekten Lötstelle an einem Transformator des Regierungs-Airbus will die Bundeswehr dem „Spiegel“ zufolge zunächst nicht ziehen. In einer Antwort an den Grünen-Abgeordneten Tobias Lindner schreibe das Verteidigungsministerium, eine regelmäßige Wartung oder ein Austausch der Transformatoren des A340 sei „nicht vorgesehen“. Nachdem die defekten Teile ausgetauscht worden seien, liege die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Odyssee der „Konrad Adenauer“ bei nur 1:100.000.000. Was das Ministerium in dem Schreiben an den Grünen-Politiker Lindner demnach aber nicht erwähnt: den folgenreichen Fehler der Lufthansa.

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