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Luftangriff nahe Kundus : Bundeswehr sieht sich durch Nato-Bericht entlastet

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Der Nato-Untersuchungsbericht zum umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus entlastet die Bundeswehr. Diesen Schluss zieht Generalinspekteur Schneiderhan. In schwieriger Lage habe Oberst Georg Klein militärisch angemessen reagiert. Die genaue Opferzahl sei nicht mehr zu ermitteln.

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          Der Nato-Untersuchungsbericht zum umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus entlastet die Bundeswehr nach Einschätzung der deutschen Militärführung. In Kenntnis des Berichts habe er keinen Grund daran zu zweifeln, dass die deutschen Soldaten angesichts der schwierigen Lage „in operativer Hinsicht“ militärisch angemessen gehandelt hätten, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Donnerstag in Berlin.

          Der Bericht bestätige nicht, dass unbeteiligte Personen umgekommen seien, sagte Schneiderhan. Der deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus hatte am 4. September den Luftangriff von amerikanischen Kampfflugzeugen auf die beiden von den radikal-islamischen Taliban gekaperten Tanklastzügen angeordnet. Oberst Georg Klein habe die Lage richtig beurteilt und sogar davon ausgehen können, dass keine Unbeteiligten durch den Luftschlag zu Schaden kommen würden, saget Schneiderhan. Der Angriff hatte international heftige Kritik an Deutschland ausgelöst. Auch im Inland war über die Berechtigung des Bombardements debattiert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jedoch vor vorschnellen Verurteilungen gewarnt.

          Opferzahl bleibt unklar

          Schneiderhan berichtete aus dem als geheim eingestuften Dokument, dass die Zahl der Toten und Verletzten nicht genau mehr genau zu ermitteln sei; die Angaben schwankten laut verschiedenen Quellen zwischen 17 und 142 Toten und Verletzten. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen neben 69 Taliban-Kämpfern auch 30 Zivilisten ums Leben, die versucht hatten, Benzin aus den Tanks zu zapfen. Neun Zivilisten und elf Aufständische seien verletzt worden.

          Generalinspekteur Schneiderhan: „In operativer Hinsicht militärisch angemessen gehandelt”

          Auch in dem Isaf-Bericht heiße es zudem, dass es zwischen 30 bis 40 getötete und verletzte Zivilisten gegeben haben könnte. Schneiderhan sagte, dies bestätige aber nicht, „dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden.“ Die vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai eingesetzte Untersuchungskommission hatte Mitte September die Verantwortung für den Vorfall eindeutig den Taliban angelastet. Nach Abschluss der afghanischen Untersuchung hatte Karzai den Angriff zwar als Fehler bezeichnet, die deutsche Militärführung aber zugleich in Schutz genommen. „Deutschland ist hier, um die afghanische Bevölkerung zu beschützen.“

          Die von den Taliban gekaperten Tanklastzügen waren in einem Flussbett nahe des Bundeswehr-Feldlagers steckengeblieben. Oberst Klein soll befürchtet haben, dass die Taliban die Tanklaster nutzen wollten, um sie nahe des Bundeswehr-Lagers zur Explosion zu bringen.

          Schneiderhan sagte, der Vorfall dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In den vergangenen Monaten habe es zahlreiche Angriffe auf die Isaf-Truppen im Verantwortungsbereich von Klein in Nordafghanistan gegeben. Bis Ende August seien in diesem Jahr sechs Lastwagen und Tanklaster zu Anschlägen missbraucht worden, die zu hohen Verlusten geführt hätten. Seit Juli habe es Hinweise gegeben, dass ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant gewesen seien.

          Jung verteidigt Oberst Klein bei Amtsübergabe

          Der Nato-Untersuchungsbericht zu dem Vorfall war am Mittwoch per Flugzeug von Afghanistan nach Deutschland gebracht worden. Er traf etwa gleichzeitig mit der Verabschiedung von Franz Josef Jung (CDU) aus dem Amt des Verteidigungsministers am Mittwochabend ein. Ohne den Bericht zu erwähnen, setzte sich Jung bei der Amtsübergabe an den neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) für den betroffenen Oberst Klein ein.

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