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Nach Räumung in Lützerath : Verbliebene Aktivisten verlassen Tunnel

  • -Aktualisiert am

Zwei Aktivisten verlassen den Tunnel unter Lützerath, in dem sie sich in den letzten Tage verschanzt hatten. Empfangen werden sie von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Kathrin Henneberger. Bild: AFP

Lützerath ist geräumt, die letzten beiden Aktivisten haben den unterirdischen Tunnel verlassen. Bundesinnenministerin Faeser kritisierte die Methoden der Klimaaktivisten als „verantwortungslos“.

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          Die zwei Lützerath-Besetzer, die sich in einem Tunnel verschanzt hatten, haben am Montagmittag aufgeben. Die beiden jungen Männer, die sich „Pinky“ und „Brain“ nannten, hatten sich vergangenen Freitag per Youtube-Botschaft aus dem selbstgegrabenen Tunnel gemeldet und ihre Aktion damit begründet, die Räumung des Weilers am Rand des RWE-Braunkohletagebaus Garzweiler II verzögern und den Kapitalismus überwinden zu wollen.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bundesinnenministerin Nancy Faeser kritisierte unterdessen die Methoden von Klima-Aktivisten während der Räumung von Lützerath. „Mit brennenden Barrikaden, einem einsturzgefährdeten Tunnel und wackligen Baumhäusern in großer Höhe haben Aktivisten nicht nur sich selbst in große Gefahr gebracht, sondern auch die Einsatzkräfte“, schrieb die SPD-Politikerin am Montag in einer Mitteilung. „Das ist verantwortungslos“. Nach Angaben der Polizei wurden während des Einsatzes mehr als 100 Beamten verletzt, davon mehr als 80 am vergangenen Samstag. Wie viele Verletzungen dabei durch Fremdeinwirkung zustande gekommen seien, sei derzeit noch offen, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

          Da sich Lützerath im Besitz von RWE befindet, war für die Rettung und Betreuung der beiden die Werksfeuerwehr des Tagebaubetreibers zuständig. In enger Absprache mit der Polizei Aachen hatte sich RWE dagegen entschieden, die beiden Aktivisten gegen ihren Willen aus dem Tunnelsystem zu holen. Es sei darum gegangen, weder die beiden Männer noch Einsatzkräfte unnötig in Gefahr zu bringen, sagte ein RWE-Sprecher der F.A.Z. „Wir waren beständig im Gespräch mit den beiden, um sie zur Aufgabe zu bewegen.“

          RWE sei erleichtert, dass die lebensbedrohliche Situation auf diese Weise beendet worden sei. Auch habe die Werksfeuerwehr das von den Aktivisten selbstgebaute System zur Luftversorgung technisch zu ertüchtigen versucht. Der Tunnel habe gut vier Meter tief in die Erde geführt und sei von Fachleuten als nicht einsturzgefährdet eingeschätzt worden.

          Von Autobahnbrücke abgeseilt

          Nach der Aufgabe der beiden Männer befinden sich nun keine Klimaaktivisten mehr in Lützerath. Der Rückbau des Weilers ist mittlerweile weit fortgeschritten, auch das Protestcamp, in dem in den vergangenen zweieinhalb Jahren rund 100 Aktivisten in Hütten und Baumhäusern gelebt hatten, ist abgerissen.

          Derweil ging am Montag auch die Besetzung eines Braunkohlebaggers im Tagebau Hambach durch Klimaaktivisten nach wenigen Stunden zu Ende. Die acht Besetzer hätten den Bagger am Mittag freiwillig verlassen, berichtete ein RWE-Sprecher in Essen. Die Aktivisten hatten den Schaufelradbagger im rund 20 Kilometer von Lützerath entfernten Tagebau Hambach in den frühen Morgenstunden besetzt. Der Bagger hatte daraufhin den Betrieb eingestellt.  Zudem seilten sich unter anderem zwei Personen in Rollstühlen von einer Autobahnbrücke. 

          Nach Angaben der Protestgruppe „Gegenangriff – für das gute Leben“ wollten sich die Besetzer des Schaufelradbaggers solidarisch mit den Menschen im Dorf Lützerath zeigen. Die Gruppe kritisierte das dortige Vorgehen der Polizei und forderte die Vergesellschaftung der Energieproduktion.

          Das rund 20 Kilometer vom Hambacher Tagebau entfernte Lützerath ist seit Tagen von der Polizei abgeriegelt und mit einem doppelten Zaun umgeben. Die Gebäude der kleinen Siedlung auf dem Gebiet der Stadt Erkelenz westlich von Köln werden abgerissen, um dem Energieunternehmen RWE zu ermöglichen, die darunter liegende Kohle abzubaggern. Klimaaktivisten hatten das verlassene Dorf besetzt.

          Die Räumung des Dorfes hatte am Mittwoch begonnen. Am Sonntagabend teilte die Polizei mit, das Dorf mit Ausnahme von zwei Aktivisten in einem Tunnel geräumt zu haben.

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