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Wende im Lübcke-Prozess : Markus H. wird aus Untersuchungshaft entlassen

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Die Rolle von Markus H. ist deshalb schwer zu durchdringen. Folgt man E.s jüngster Tatversion, dann kommt für H. nicht nur Beihilfe, sondern Mitttäterschaft in Betracht. Anders als bei Stephan E. gibt es von ihm am Tatort aber keine Spuren. Holger Matt, der Vertreter der Familie Lübcke, geht dennoch von einem gemeinschaftlich begangenem Mord aus. Dass keine Spuren von H. gefunden seien, schiebt er darauf, dass der Tatort noch in der Nacht gründlich gereinigt wurde. Ein befreundeter Feuerwehrmann hatte den Angehörigen nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus den Anblick der Blutspuren ersparen wollen und die Terrasse mit Felgenreiniger und Wurzelbürste blank geputzt. Von einem Mord war zunächst niemand ausgegangen.

Zwei Personen am Tatort?

Im Gericht deutete die Aussage von E.s Ehefrau darauf hin, dass dieser in der Tatnacht nicht allein unterwegs war. Sie habe zwei Autos vor dem Haus ankommen hören, sagte die Zeugin. Diese hätten abrupt gebremst, auch zwei Türen seien zugeschlagen worden. Aus dem Fenster sah die Frau nicht. Der Anwalt der Familie hält einen weiteren Aspekt für bedeutsam: Stephan E. hatte geschildert, dass es zwischen ihm und dem Kasseler Regierungspräsidenten vor dem Schuss zu einem Wortwechsel gekommen sei. Dann aber sei nicht plausibel, dass die Kugel Walter Lübcke seitlich getroffen habe, meint Holger Matt. Denjenigen, mit dem man spreche, sehe man doch an. 

Für das Gericht dürften diese Indizien kaum ausreichen, um Markus H. als Mittäter zu verurteilen. Auch die Bundesanwaltschaft hält nach wie vor am Vorwurf der Beihilfe fest. Doch selbst hierfür ist die Beweislage dünn - wie die Haftentscheidung von Donnerstag illustriert. 

Abgesehen von Stephan E. machte einzig H.s ehemalige Lebensgefährtin Angaben über den Mitangeklagten und dessen Freundschaft zu E. Markus H. sei der „Denker“, Stephan E. der „Macher“ gewesen –  eine Formulierung, die die Frau  schon vor der Polizei gebrauchte und die erheblichen Einfluss auf die Anklage hatte. Vor Gericht relativierte die Zeugin ihre Aussage jedoch und verstrickte sich zudem in derartige Widersprüche, dass an ihrer Glaubwürdigkeit insgesamt Zweifel aufkamen. 

Das Gericht forderte die Verfahrensbeteiligten daraufhin vergangene Woche auf, Stellung zur Untersuchungshaft zu nehmen. Sowohl die Bundesanwaltschaft als auch die Nebenklage sprachen sich gegen eine Aufhebung des Haftbefehls auf. Der Sprecher der Familie Lübcke äußerte schon am Mittwochabend, dass eine Aufhebung eine „schreckliche Nachricht“ wäre. Mit der Haftentscheidung hat das Gericht am Donnerstag keine Entscheidung über die Schuld von Markus H. getroffen; eine Tendenz zum Freispruch kommt darin aber zum Ausdruck.

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