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Auf dem Weihnachtsmarkt : Zwölfjähriger plante offenbar Bombenanschlag in Ludwigshafen

  • Aktualisiert am

Das Rathaus-Center in der Ludwigshafener Innenstadt, in dessen Nähe der Junge das mit Sprengstoffpulver gefüllte Konservenglas abgelegt haben soll. Bild: Wolfgang Eilmes

Wegen des Funds einer Nagelbombe in Ludwigshafen ermittelt die Bundesanwaltschaft. Nach einem Bericht wollte ein Zwölfjähriger angeblich einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verüben, möglicherweise im Auftrag des „Islamischen Staats“.

          Die Bundesregierung ist alarmiert über den Verdacht gegen einen zwölf Jahre alten Jungen,, der in Ludwigshafen einen Anschlag mit einer Nagelbombe vorbereitet haben soll. „Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Weiter wolle er sich zu dem Fall nicht äußern. Er sagte: „Ich halte es für das Richtige, den Generalbundesanwalt ermitteln zu lassen.“

          Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Fundes einer Nagelbombe in Ludwigshafen. „Wir können aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen“, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Behörde, Stefan Biehl, am Freitag in Karlsruhe. Ein zwölfjähriger Junge hat nach Informationen der Zeitschrift „Focus“ angeblich versucht, einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen zu verüben.

          Das Magazin beruft sich in seinem Bericht vom Freitag auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Die genauen Hintergründe der Tat und die Gefährlichkeit des verwendeten Materials waren zunächst unklar. Bei dem Jungen soll es sich um einen 2004 in Ludwigshafen geborenen Deutsch-Iraker handeln.

          In dem „Focus“-Bericht heißt es, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der „stark religiös radikalisierte“ Junge womöglich von einem „unbekannten Mitglied“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) „angestiftet oder angeleitet“ worden. Demnach kam es am 26. November nur deshalb nicht zu einer Detonation, weil der Sprengsatz nicht zündete.

          Nach „Focus“-Informationen ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen des Verdachts einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“. Das zuständige Polizeipräsidium Rheinpfalz verwies am Freitagmorgen auf Anfrage der Deutschen Presseagentur auf den Generalbundesanwalt. In Karlsruhe war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

          Versuchter Anschlag am 26. November?

          Nach „Focus“-Angaben soll der Junge am 26. November versucht haben, den Sprengsatz auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden. Am 5. Dezember habe er den in einem Rucksack versteckten Sprengsatz – ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas – dann in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert. Nachdem ein aufmerksamer Passant die Polizei über den Fund informiert habe, hätten Spezialisten einen Teil der „hochbrisanten Mischung“ gesprengt. Laut „Focus“ soll der Sprengsatz im Rucksack auch mit Nägeln präpariert gewesen sein.

          Nach dem Fund am 5. Dezember hatte die Polizei mitgeteilt, ein Zwölfjähriger stehe im Verdacht, das Glas in der Nähe des Rathaus-Centers – eines 1979 eröffneten Hochhauses, in dem das Rathaus und ein Einkaufszentrum untergebracht sind – abgelegt zu haben. Wegen der Tasche waren damals der Bereich rund um das Center sowie eine Bundesstraße zeitweise gesperrt worden.

          Damals hatte die Polizei mitgeteilt, der Junge sei mit Einverständnis der Eltern zunächst dem Jugendamt übergeben worden. Experten des Landeskriminalamtes hätten herausgefunden, dass das Material, das sich in dem Glas befand, aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach damaligen Polizeiangaben war es zwar brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der „Focus“ schreibt nun von einem Rucksack mit einer selbst gebauten Zündvorrichtung.

          Laut „Focus“ führt parallel die Staatsanwaltschaft Frankenthal Ermittlungen gegen den Jungen, wobei das Verfahren wegen der Strafunmündigkeit des mutmaßlichen Täters demnächst wohl eingestellt werde. Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums sagte, nur weil jemand nicht strafmündig sei, bedeute dies noch lange nicht, „dass keine Strafbarkeit vorliegt“. Schließlich sei es, wenn ein Hund einen Menschen beiße, auch nicht so, dass dafür dann niemand bestraft werden könne.

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