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Debatte über Querulanten : AfD-Spitze hadert mit Parteibasis

Die AfD-Vorsitzenden Konrad Adam und Bernd Lucke: Verärgert über Verschwörungstheoretiker in der Mitgliedschaft Bild: dpa

In der Debatte über Rechtspopulisten und Querulanten in der AfD hat sich nach Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel nun auch der Co-Vorsitzende Konrad Adam zu Wort gemeldet. Er rügt die Rednerliste eines umstrittenen „Alternativen Wissenskongresses“.

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          Nach Äußerungen des AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke und seines Stellvertreters Hans-Olaf Henkel über Rechtspopulisten und Querulanten in der AfD hat auch der AfD-Vorsitzende Konrad Adam Teile der Mitgliederschaft kritisiert. Adam rügte gegenüber der F.A.Z. einen für März geplanten „1. Alternativen Wissenskongress“.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu der Veranstaltung hatten fünf AfD-Bezirksverbände aus Nordrhein-Westfalen mehrere Referenten eingeladen, deren Überzeugungen nach Ansicht des AfD-Bundesvorstandes nicht mit der Parteilinie vereinbar sind. So soll der Chefredakteur der verschwörungstheoretischen Zeitschrift „Compact“, Jürgen Elsässer, auf dem Kongress einen Vortrag über die Frage „Regieren uns die Medien?“ halten.

          Elsässer hatte kürzlich auf seiner Internetseite gefordert, die „Hooligans gegen Salafisten“ zu einer Demonstration am 9. November vor dem Bundeskanzleramt einzuladen. „Aber vermutlich kommen die Jungs auch ganz von alleine... Aber denkt dran: Keine Gewalt!“, schrieb Elsässer. Adam sagte der F.A.Z., jemand wie Elsässer sei ihm schon „wegen seines ordinären Tonfalls“ zuwider. „Ich möchte nicht, dass Elsässer für eine Partei spricht, deren Vorsitzender ich bin“, sagte Adam. Wenn Elsässer gewalttätige Hooligans nach Berlin einlade, und zu Friedlichkeit aufrufe, „dann ist das Heuchelei“.

          Kritik an Rednerliste

          Ein weiterer Referent, mit dem die AfD-Bezirksverbände ihren Kongress bewerben, ist der Autor verschwörungstheoretischer Bücher Andreas Popp. Er bezeichnet das politische System in Deutschland auf einer Internetseite als „Ochlokratie“ oder „Pöbelherrschaft“ – und ist nach Meinung Adams schon deshalb nicht geeignet, auf einer AfD-Veranstaltung zu sprechen.

          Die weiteren Referenten, den Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider und den Ökonomen Eberhard Hamer, bezeichnete Adam als „ältere Herren“, auf deren Ausführungen er keinen Wert lege.

          Kritisiert wurde von Adam auch der AfD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, der sich seiner Meinung nach unzureichend von dem Kongress distanziert hatte. Pretzell habe lediglich gesagt, er sei „nicht glücklich“ über die Veranstaltung. Diese Äußerung reiche nicht aus. Der Bundesvorstand der AfD sei sich einig in der Ablehnung der Rednerliste, sagte Adam.

          Henkel schämt sich für Teile der Partei

           Henkel sagte unterdessen der Wochenzeitung „Die Zeit“, er schäme sich für Teile seiner Partei. „Da sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden“, sagte Henkel.

          Es gebe in der AfD viele „Ideologen, Goldgräber, Karrieristen“. Über das Sprichwort, die Steigerung von Feind sei „Feind, Todfeind, Parteifreund“ habe er früher gelacht. „Aber es ist nicht übertrieben. Der Satz stimmt“, sagte Henkel. Die Kämpfe innerhalb der Partei würden härter geführt als Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner. Das sei, so Henkel, „wirklich deprimierend“. Er wolle verhindern, „dass die AfD nach rechts abdriftet“.

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