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Love-Parade-Kommentar : Wer ist schuld?

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht lässt im Fall der Katastrophe bei der Duisburger „Love Parade“ nun doch eine Anklage zu. Es ist richtig, alle Umstände in den Blick zu nehmen. Wunder sollte dennoch niemand erwarten.

          Einundzwanzig Tote. Schon diese Zahl von Opfern der Duisburger „Love Parade“ im Jahr 2010 scheint geradezu nach Schuldigen zu schreien: Irgendjemand muss doch dafür verantwortlich sein. Doch oft kommt eine Menge zusammen, und nicht jedes Fehlverhalten ist strafbar. Jetzt hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden, eine Anklage gegen Veranstalter und Mitarbeiter der Stadt doch zuzulassen. Das Landgericht Duisburg hatte das anders gesehen.

          Doch ist es richtig, alle Umstände in den Blick zu nehmen. Und die Organisatoren müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Gleichwohl sollte man von einem Strafprozess nicht zu viel erwarten. Sein Ziel ist es nicht, Sündenböcke auszumachen. Die Ministerpräsidentin, die sich verständlicherweise auf die Seite der Opfer gestellt hatte und zunächst ihr Unverständnis über die vergeblich scheinende Arbeit der Justiz durchblicken ließ, gibt sich nun erleichtert – doch hat sie selbst auch kaum zu einer Aufklärung beigetragen. Das Verfahren wird dauern; es kann Wunden aufreißen, aber auch heilsam sein. Wunder sollte niemand erwarten.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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