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Sommerwelle : Steigt bei Reinfektion das Risiko für Long Covid?

Eine aufblasbare Werbefigur weist den Weg zu einem Drive-In-Testcenter für Corona-Schnelltests bei Timmendorfer Strand. Bild: dpa

Immer mehr Menschen infizieren sich derzeit zum wiederholten Mal mit Corona. Wie gefährlich ist das? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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          Die Corona-Sommerwelle rollt durch Deutschland. Die offiziellen Inzidenzen dienen nur noch als Orientierung, die Dunkelziffer liegt deutlich darüber. So weit, so bekannt. Neu aber ist: In dieser Welle infizieren sich viele, die schon einmal infiziert waren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Reinfektion.

          Warum ist es möglich, sich mehrmals in kurzer Zeit mit Corona zu infizieren?

          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Durch die Wandelbarkeit des Virus und die ständig neu auftretenden Varianten, kann Corona unser Immunsystem immer wieder austricksen. So kann ein Körper, der etwa mit der BA.1-Variante infiziert war, sich mit BA.4 und BA.5 abermals infizieren. Die Varianten sind so unterschiedlich, dass die erlernte Immunabwehr nicht zu hundert Prozent funktioniert. Vor allem über die Omikronvarianten sagen Experten, sie hinterlassen eine eher schlechte Immunität. Weil die Verläufe oft mild seien, bildeten sich weniger Antikörper und T-Gedächtniszellen.

          Daten aus den USA zeigen: Patienten hatten nach einer Deltainfektion einen im Vergleich zur Omikroninfektion über zehnfach höheren Antikörpertiter – also auch einen vermutlich höheren Schutz vor einer Reinfektion. Eine Infektion wirkt also nicht als Super-Booster oder sicherer Immunschutz. Sich absichtlich mit Corona zu infizieren macht auch aus diesem Grund keinen Sinn. Trifft es einen aber doch, tröstet vielleicht: Die Daten zeigen, dass geimpfte Genesene wohl über einen längeren Zeitraum einen sehr viel effektiveren Schutz vor Reinfektionen haben als nur Genesene oder nur Geimpfte.

          Wird die Erkrankung weniger schlimm, je öfter ich mich infiziere?

          Darauf gibt es keine pauschale Antwort – denn das liegt auch an den verschiedenen Varianten. Werden die Krankheitsverläufe durch eine neue Variante wieder schwerer, gilt das natürlich auch für den Verlauf von Reinfektionen. Aber – und das ist die gute Nachricht: Derzeit lässt sich beobachten, dass eine zweite oder dritte Infektion tendenziell milder verläuft.

          Kann auch erst nach einer zweiten oder dritten Infektion eine Post-Covid- oder Long-Covid-Symptomatik auftreten?

          Das ist noch Gegenstand von Forschungen. Eine Preprint-Studie aus den USA von Wissenschaftlern der Washington University of Medicine und des VA Saint Louis Health Care System deutet darauf hin, dass eine abermalige Infektion Langzeitfolgen triggern könnte – also häufiger und schlimmere Organschäden oder andere anhaltende Symptome hervorrufen könnte als eine Erstinfektion. Demnach steigen Long-Covid-Risiken bei Reinfektionen auch für Geimpfte. Doch noch fehlen große und sichere Datensätze.

          Wann sollte ich mich nach einer Corona-Infektion (wieder) impfen lassen?

          Die Stiko empfiehlt auch Personen, die schon eine oder mehrere Infektionen durchgemacht haben, sich impfen zu lassen. Zwischen Infektion und Impfung sollte allerdings ein Abstand von mindestens drei Monaten eingehalten werden. Das gilt auch bei Boosterimpfungen. Für die individuelle Impfentscheidung ist der Hausarzt ein guter Ansprechpartner.

          Generell empfiehlt die Stiko allen Menschen, die 70 Jahre und älter sind, Bewohnern und Betreuten in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder einer Immunschwäche, sowie Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen eine vierte Impfung. All diesen Menschen legen Experten auch nahe, nicht auf einen angepassten Omikronimpfstoff im Herbst zu warten. Für alle anderen wird die Empfehlung zur vierten Impfung wahrscheinlich im Herbst kommen, wenn spezielle Vakzine gegen die Omikron-Variante auf den Markt kommen. Erste Daten von den Herstellern Moderna und Biontech zeigen eine gute Wirkung gegen die neuen Varianten.  ,

          Wie schnell kann ich mich nach einer Corona-Infektion wieder anstecken?

          Obwohl die meisten Menschen wenigstens einige Wochen nach ihrer Erkrankung gerne unbeschwert leben würden, hat die Wissenschaft auf diese Frage noch keine klare Antwort. Alltagsbeobachtungen zeigen zwar: Viele, die einmal krank waren, stecken sich in den ersten Wochen danach nicht wieder an – selbst wenn sie engen Kontakt zu einem Infizierten hatten. Aber Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Wie schnell Reinfektionen passieren können, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung und wohl auch sehr individuell von der Person, ihrer Immunitätslage und ihrem Impfstatus abhängig.

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