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Wann welche Lockerungen? : Schrittweise aus dem Kontrollverlust

Bald schon ein Bild von gestern: Parkbank an einem Spielplatz in Nürnberg. Bild: dpa

Endlich kehrt die Coronapolitik zum Kern ihres Anliegens zurück: Wenn das Virus wütet, ist das nicht ein Zeichen von überwältigender Naturgewalt, sondern mangelhafter Organisation.

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          Die Beschwerden über den „Flickenteppich“ werden wieder zunehmen. Aber sie waren selten so unbegründet wie jetzt. Die Länder nutzen bei der Corona-Bekämpfung zu Recht den Vorteil des Föderalismus, je nach Lage und Region den besten Weg aus der Krise zu finden.

          Dabei scheint sich in allen Ländern ein Stufenmodell durchzusetzen, wenn auch nicht mit deckungsgleichen Terminen. Auch das ist sinnvoll, weil Länder mit wenigen Infektionen wie Sachsen-Anhalt früher handeln können als andere.

          Bayern wird deshalb länger warten müssen, nicht weil, wie Ministerpräsident Markus Söder auch am Dienstag wieder durchblicken ließ, „alle anderen“ ungeduldiger und unvorsichtiger wären, sondern weil die bayerischen Infektionszahlen einfach höher liegen.

          Sinnvoll ist auch der Plan, dass auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte Lockerungen zurückgenommen werden müssen, wenn eine bestimmte Zahl registrierter Neuinfektionen überschritten wird. Es wäre klug gewesen, nicht erst jetzt, sondern von Beginn an diese Neuinfektionen als Richtgröße heranzuziehen, trotz hoher Dunkelziffer.

          Das hätte es Politikern erspart, die Orientierung immer wieder wechseln zu müssen - vom mehrmals korrigierten Intervall der Verdoppelung der Infektionen zum ebenso wackligen Reproduktionsfaktor. Sie hätten dann allerdings sehr früh zugeben müssen, dass Lockdown ein anderes Wort für Kontrollverlust ist.

          Denn wenn Neuinfektionen durch die Decke gehen, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass eine überwältigende Naturgewalt wütet. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass Infektionsketten nicht rechtzeitig erkannt und Infektionsherde nicht rechtzeitig isoliert werden konnten. Alles eine Frage der Organisation.

          Wie hoch die Zahl beherrschbarer Neuinfektionen ist, hängt nicht nur von Krankenhäusern ab, sondern auch von der Leistungsfähigkeit des örtlichen Gesundheitsamts (und einer Tracing-App, die funktionstüchtig ist). Deshalb könnte auch diese Zahl noch umstritten sein.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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