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Johannes Leithäuser (Lt.)

Lockerung der Corona-Maßnahmen : Zurück zur Normalität

Rückkehr in den Unterricht: Schüler des Heinrich von Gagern-Gymnasiums in Frankfurt beim Eintritt in das Schulgebäude. Bild: dpa

Die Politik hat mit der Stilllegung des öffentlichen Lebens ihre Macht bewiesen. Nun muss sie durch schrittweise Lockerungen den Machtverlust zulassen.

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          Da hat der Kanzleramtsminister Helge Braun recht: Der Weg in den Corona-Ausnahmezustand ist viel einfacher – für die Politiker wie für die Bevölkerung – als der Weg zurück in die Normalität. Es gibt auf der langen Strecke, auf der nun Schritt für Schritt Lockerungen zugelassen werden sollen, Gerichte, die mit ihren Urteilen Ungleichheiten bemängeln; es gibt Ministerpräsidenten, die sich als Ordnungsmächtige oder Beruhigungsoptimisten profilieren wollen; es gibt das zur Umsicht mahnende Staatsoberhaupt und den mit lauten Forderungen nach Aufmerksamkeit rufenden Oppositionspolitiker.

          Es gibt aber auch die vorsichtige Maskenträgerin, die am Bankautomaten einen dritten Hinzutretenden anraunzt, weil der Aushang dort nur zwei Kunden zulässt, und es gibt den Kreuzberger Hausbesetzer, der am Maifeiertag ohne Abstandsregeln Straßenpartys feiert, weil er Corona-Gebote für ein staatliches Unterdrückungsinstrument hält.

          Es gibt Lernaufgaben für alle: Die Politik muss begreifen, dass sie nach dem machtvollen Moment, da ihr Befehl alle Räder stillstehen ließ, nun den schrittweisen Machtverlust zulassen muss, und dass das beruhigende Empfinden, alles im Griff zu haben, sich nicht durch immer neue schwindelerregend hohe Stillhalte-Zuschüsse verlängern lässt. Die Bevölkerung muss lernen, dass sie ihre Freiheit(en) mit neuer Verantwortung zurückerhält und dass in der anhaltenden Bedrohungskrise der Einzelne die Rechenschaft für sein Handeln nicht an den Staat delegieren kann, sondern diese selbst ablegen muss.

          Und dann gibt es noch den Bundesinnenminister Horst Seehofer. Der hat sich rar gemacht in den vergangenen Wochen und sein seltenes öffentliches Erscheinen nun damit erklärt, dass er nicht in einem Fernsehstudio wohne (was ihn in der Tat von manchen Dauergästen der politischen Talkshow-Kränzchen unterscheidet). Er trete nur auf, wenn er was zu sagen habe, sagte Seehofer – um dann sogleich Spekulationen zu verbreiten, es könnte eine fünfte Amtszeit der Kanzlerin Merkel geben. Manchen Reflexen kann auch ein Ausnahmezustand nichts anhaben.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

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