https://www.faz.net/-gpf-a6h5c

Jahresende-Lockdown : Was die Bundesländer für Weihnachten planen

  • Aktualisiert am

Ein leuchtender Weihnachtsbaum vor der Kuppel des Reichstagsgebäudes Bild: dpa

Eigentlich waren für die Weihnachtstage Lockerungen geplant. Doch jetzt kommt alles anders. Einkaufstrubel wird es wohl nicht mehr geben, dafür immer mehr Einschränkungen. Manche Länder beginnen damit schon am Samstag. Eine Übersicht.

          6 Min.

          Angesichts fast ungebremst steigender Corona-Zahlen verdichten sich die Anzeichen für einen baldigen Lockdown – zumindest in Teilen Deutschlands. Gemeinsam mit Ländern wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und anderen trat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag vehement für ein möglichst schnelles Herunterfahren des öffentlichen Lebens noch vor Weihnachten ein. „Wir spüren, es läuft uns davon, es zerrinnt uns zwischen den Fingern“, mahnte Söder am Freitag bei der Vorstellung eines neuen Impfzentrums in Nürnberg. „Wir können nicht erst nach Weihnachten anfangen“, sagte Söder. „Warum warten, wenn wir wissen, dass es notwendig ist?“

          Söders rhetorisch anmutende Frage hat die Regierung in Baden-Württemberg schon aufgegriffen. Bei den Nachbarn Bayerns gelten bereits vom kommenden Samstag an neue Maßnahmen, konkret eine Ausgangsbeschränkung. Für Ausnahmen müsse man „triftige Gründe“ haben wie die Arbeit oder einen Arztbesuch, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Tagsüber dürften sich bis zu fünf Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten treffen. Nachts ist auch das untersagt. Geöffnet bleiben sollen bis auf weiteres Schulen, Kitas, Hochschulen und Einzelhandel; ein weitreichender Lockdown ist erst nach Weihnachten geplant.

          Wie sieht es in den anderen Ländern aus?

          Auch in Schleswig-Holstein sollen statt zehn nur noch fünf Personen aus maximal zwei Hausständen zusammenkommen dürfen – auch an Weihnachten.  Ausgenommen sei nur die engste Familie, hieß es. Übernachtungsbesuche von Verwandten in Hotels sollen zudem nun doch untersagt werden. Zudem sollen voraussichtlich schon in der kommenden Woche nur noch Lebensmittelgeschäfte und Geschäfte des täglichen Bedarfs geöffnet werden dürfen. Für Schüler ab der achten Klasse soll es keinen Präsenzunterricht mehr geben. Eine Entscheidung über die weitreichenderen Maßnahmen ist aber noch nicht gefallen. Schon von diesem Samstag an ist landesweit jedoch das Ausschenken und Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten.

          Und auch Söder blieb zu Hause nicht tatenlos. Bayern verhängte ein Alkoholverbot für den gesamten öffentlichen Raum. Seit Tagen gelten in Bayern bereits Ausgangsbeschränkungen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden zwischen 21 Uhr und 5 Uhr, besonders dort, wo die Zahl der Infektionen sehr hoch ist. Im besonders betroffenen ostbayerischen Landkreis Regen, wo die Sieben-Tagen-Inzidenz bei fast 600 liegt, sollen Geschäfte und Kitas geschlossen werden. Ob das schon am Samstag eintreten wird oder erst am Montag, sollte am Freitagabend kurzfristig geklärt werden.

          In Nordrhein-Westfalen endet die Präsenzpflicht für Schüler am Montag vorerst, wie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mitteilte. Ab Klasse acht wird auf Distanz unterrichtet, Schüler der unteren Stufen sollen von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen. Die Schulferien werden um zwei Tage verlängert. Die Schulen bleiben bis zum 18. Dezember geöffnet. Die Ferien enden am 11. Januar.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          In Sachsen gelten die mit Abstand schärfsten Maßnahmen. Das östliche Bundesland geht von Montag an in einen vierwöchigen Lockdown und fährt das öffentliche Leben herunter. Schulen, Kitas und Horte bleiben demnach zu, ebenso zahlreiche Geschäfte im Einzelhandel. Zum Einkaufen, für Sport und Bewegung gilt vielmehr ein Umkreis von 15 Kilometern rund um das eigene Wohnumfeld. Die vom Parlament beschlossene Verordnung gilt bis zum 10. Januar. Zu den Verschärfungen gehört weiterhin eine nächtliche Ausgangsbeschränkung. Die Maskenpflicht wird ausgeweitet, in der Öffentlichkeit gilt ein Alkoholverbot. Die Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) kündigte verstärkte Kontrollen an.

          Weitere Themen

          Impfpflicht für den Einzelhandel

          FAZ Plus Artikel: Einspruch Exklusiv : Impfpflicht für den Einzelhandel

          Die 2-G-Regelung zeigt ein Bewusstsein dafür, dass bei der Bekämpfung einer Gefahr immer zuerst diejenigen in Anspruch genommen werden müssen, die der Gefahrenverursachung näher stehen. Sollten die Länder zu zögerlich bei der Verfolgung von 2-G-Modellen sein, ist künftig vermehrt mit Korrekturen durch verwaltungsgerichtliche Entscheidungen zu rechnen.

          Spahn verurteilt „Pandemieextremismus“ Video-Seite öffnen

          Idar-Oberstein : Spahn verurteilt „Pandemieextremismus“

          Die Bundesregierung hat die Tötung eines Tankstellenkassierers in Idar-Oberstein wegen Streits um das Tragen einer Corona-Schutzmaske verurteilt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach in Berlin von „Pandemieextremismus“, gegen den jede Bürgerin und jeder Bürger eintreten müsse: „Aus Worten werden irgendwann auch immer Taten.“

          Topmeldungen

          Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro grüßt am Dienstag Anhänger in New York.

          UN-Vollversammlung : Brasilien zeigt der Welt den Mittelfinger

          Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält in New York eine verstörende Rede und lacht den britischen Premierminister Boris Johnson aus. Noch grotesker ist ein Auftritt seines Gesundheitsministers – der nun in Quarantäne muss.
          Vor einem Jahr: Demonstranten gegen Lukaschenko im Zentrum von Minsk im August 2020

          Lukaschenko-Gegner in Minsk : Im Land der Verschwörer

          Der nationale Aufbruch in Belarus wird vom Regime Alexandr Lukaschenkos brutal unterdrückt. Doch aufgegeben haben seine Gegner nicht. Ein Besuch in der Hauptstadt Minsk.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.