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Corona-Lockdown : Wo bleibt die Langzeitstrategie?

  • -Aktualisiert am

Gewohnt nüchtern: Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Erläuterung der Ergebnisse der Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder. Bild: AFP

Das Schließen ist leicht. Aber irgendwann müssen Geschäfte, Schulen und Kultureinrichtungen wieder geöffnet werden. Wie soll das gehen?

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          Angesichts der exponentiell steigenden Infektions- und Todeszahlen blieb Bund und Ländern keine andere Wahl. Als letztes Mittel kommt der Lockdown mit eisernen Kontaktbeschränkungen, mit der Schließung von Schulen und Kitas sowie dem vorzeitigen Ende des vorweihnachtlichen Einzelhandels, lebensnotwendige Geschäfte ausgenommen. Die neuerlichen Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens treffen viele ins Mark: nicht nur Selbständige und freie Künstler, die nun auch noch auf die Gagen der Weihnachtskonzerte und -aufführungen verzichten müssen, sondern auch Geschäftsleute, Betreiber von Freizeiteinrichtungen und Dienstleister. Nicht alle existentiellen Katastrophen wird der Bund verhindern können. Das stille Ende manches Großhändlers, der vor allem die Gastronomie belieferte, ist längst besiegelt.

          Niemand aber weiß, ob die Einschnitte wirklich dazu führen werden, dass die Pandemie wieder beherrschbar wird. Die Erfahrungen in Frankreich mit durchaus noch strengeren Bestimmungen stimmen skeptisch. Möglicherweise erleichtert die Weihnachtspause mit dem Rückzug ins Private die Einhaltung der strengen Regeln. Wirken können sie nur, wenn sich jeder für deren Einhaltung verantwortlich fühlt – und genau das wird zunehmend schwierig.

          Gerade wegen des ungewissen Fortgangs der Pandemie müssen Politik und wissenschaftliche Politikberatung zunehmend über Langzeitstrategien nachdenken. Das Schließen ist einfach, das Öffnen und Lockern umso schwerer. Darauf gilt es im kommenden Jahr besser vorbereitet zu sein – nicht nur mit Schnelltests und der Hoffnung auf Impfungen. Die Nationalakademie Leopoldina muss sich fragen lassen, ob ihre Ad-hoc-Stellungnahme insofern eine sinnvolle Form der Politikberatung ist, als sie nur Diskussionen aufgreift und dazu noch begrifflich unscharf ist.

          Die Drohung eines führenden Virologen: „Wenn sich die Politik anders entscheidet, dann hat sie sich auch nicht mehr für die Wissenschaft entschieden“, mahnt dazu, dass Politik und Wissenschaft zu einem neuen Verhältnis finden müssen, um diese Pandemie mit beiderseitiger Rollenklarheit sinnvoll bewältigen zu können. Politik und Wissenschaft folgen unterschiedlichen Logiken. Deshalb kann die Politik sich auch nicht zum Befehlsempfänger machen lassen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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