https://www.faz.net/-gpf-whne

Linkspartei : Irgendwie die Einheit der Arbeiterklasse

  • -Aktualisiert am

Gysi und Lafontaine - Wer bestimmt die Grundausrichtung der Linkspartei? Bild: dpa

Eisern hält die 1968 gegründete DKP am kommunistischen Welt- und Geschichtsbild fest. Das gilt auch für viele DKP-Politiker in der Linkspartei. Deren Fusion mit der WASG hat die Kräfteverhältnisse verändert, und sie hat keineswegs die „Reformer“ gestärkt.

          4 Min.

          Die Partei Die Linke kann zurzeit offenbar nichts falsch machen, und selbst wenn sie etwas falsch macht, schadet es ihr in Wahlen nicht. Der Wunsch nach einer Kraft, die eine Wiederherstellung des Sozialstaates westdeutscher Prägung zur Frage des guten Willens erklärt, ist momentan größer als die Bereitschaft, Programm und Personal der einzigen „gesamtdeutschen linken Partei“, als die sie sich empfiehlt, ebenso zu beäugen wie die anderer Parteien.

          Dabei treiben es die Mitglieder der Linken ebenso doll wie andere: Ein Bundestagsabgeordneter war Vermieter eines Puffs, der Bremer Geschäftsführer scheint einer Parteifreundin nachgestellt zu haben, ein hessischer Spitzenkandidat scherzte zum Jahrestag des Mauerbaus über Mauertote und den Einsatz in Afghanistan, und das DKP-Mitglied Christel Wegner, die in Niedersachsen auf der Liste der Linkspartei gewählt wurde, verharmlost Mauer und Stasi.

          Nur acht Prozent der eigenen Anhänger, ermittelte kürzlich das Allensbacher Institut für Demoskopie, hegen „Antipathien gegen einzelne Vertreter der Linkspartei“. Zwar wird die Zahl der bekannten Funktionäre selbst unter Sympathisanten klein sein, doch ist es eine Leistung, zugleich Lothar Bisky und Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Petra Pau, Gregor Gysi und Ulrich Maurer zu schätzen.

          Offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

          Er sei Frau Wegner dankbar, dass sie die bekannten DKP-Positionen so offen vertreten habe, das werde üblicherweise vermieden, sagte Stefan Liebich, der ehemalige PDS-Vorsitzende in Berlin, wo der Typus der „Regierungslinken“ besonders stark vertreten ist. Im ehemals geteilten Berlin musste sich die PDS besonders mit der historischen Schuld der SED befassen. Die Auseinandersetzung damit ist nach Ansicht des Parteivorsitzenden Klaus Lederer „identitätsprägend“ gewesen. Frau Wegner hat zur Freude von Liebich „Festlegungen“ in dieser Frage erzeugt.

          Der ehemalige Sozialdemokrat Ulrich Maurer, der mit Lafontaine das Fusionsprojekt von WASG und PDS betrieb und heute für den „Westaufbau“ zuständig ist, erklärte: „Wer Mauerbau und Stasi gut findet, hat in unseren Parlamentsfraktionen nichts zu suchen.“ Den zweiten Teil des Satzes musste er vor der Presse wiederholen, weil er im Gelächter untergegangen war - wer die Partei kennt, kennt etliche, die mit „Mauerbau und Stasi“ kein Problem haben.

          Betont desinteressiert geht der aus dem Westen (und der SPD) stammende Lafontaine mit der stalinistischen Erbschaft seiner neuen Partei um. Fragen nach der demokratischen Haltung seiner Partei erklärt er zum Versuch von Gegnern, ihr „die alten SED-Geschichten an die Backe zu kleben“. Auch Gysi, der genau weiß, was an der Partei „klebt“, sucht Ausflüchte: Frau Wegners Äußerungen erklärte er mit Dummheit oder damit, sie müsse vom Verfassungsschutz gekauft sein. Die Hamburger Spitzenkandidatin Dora Heyenn sagte, die Linkspartei habe „kein DKP-Problem“, Frau Wegner empfahl sie: „Da ist ein Arztbesuch fällig.

          Lässiger Umgang mit früherer Ostpartei

          Weitere Themen

          Trump attackiert die eigene Partei Video-Seite öffnen

          Ohne Rückhalt : Trump attackiert die eigene Partei

          Viel können die Demokraten nicht, wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht. Aber wenigstens hielten sie zusammen – im Gegensatz zu den Republikanern, kritisiert Donald Trump.

          Willy wollte es wissen

          Thorbjørn Jagland über Brandt : Willy wollte es wissen

          Vor 50 Jahren wurde Willy Brandt Bundeskanzler. Ohne seine Zeit in Norwegen ist er nicht zu verstehen. Der frühere Ministerpräsident Thorbjørn Jagland redet darüber, wie das Land Brandt formte – und wie er Norwegen beeinflusste.

          Topmeldungen

          Bram Schot

          F.A.Z. Exklusiv : So spart Audi gegen die Krise

          Rund 15 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren eingespart werden. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm wird es wohl besonders hart treffen. Audi-Chef Schot sagt, er habe aber klare Vorstellungen, wie die Beschäftigung gesichert werden kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.