https://www.faz.net/-gpf-73x4t

Linksextremismus : Die immer recht haben

In Wirklichkeit bringt der Regen aus Steinen und Flaschen nicht nur Polizisten, sondern auch Demonstranten in Lebensgefahr. Steffen Dopichay, ein Abteilungsleiter der Berliner Bereitschaftspolizei, hat erlebt, wie ein Molotow-Cocktail in einen Funkwagen der Polizei geworfen wurde. Er hat gesehen, wie Linksradikale einen Feuerlöscher und eine Gehwegplatte von einem 30 Meter hohen Hausdach in die Menge warfen. Abschätzen, wo die Gegenstände landen würden, konnten sie vom Dach aus nicht. Die Steinplatte traf einen Polizisten an der Schulter, der schwer verletzt zusammenbrach. „Hätte der Stein ihn wenige Zentimeter weiter am Kopf getroffen, wäre der Kollege tot gewesen“, sagt Dopichay, der auf Demonstrationen den Einsatz mehrerer Hundertschaften leitet. Der Feuerlöscher schlug wenige Meter neben einer Gruppe von Passanten auf dem Asphalt auf. Bei den schon zur Tradition gewordenen Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin klappte eine 23 Jahre alte Polizistin ihr Visier hoch, um frische Luft zu schnappen. Sie wurde von einer geworfenen Flasche am Kiefer getroffen. Ihr Kiefer brach, sie verlor mehrere Zähne. „Dabei war das, in Anführungszeichen, nur eine Flasche“, sagt Dopichay.

Er selbst hat sich daran gewöhnt, auf Demonstrationen bespuckt und als „Nazischützer“ und „Bullenschwein“ beschimpft zu werden. Kürzlich schüttete ihm ein Demonstrant einen Becher heißen Kaffee ins Gesicht.
Auf solche Erzählungen von Polizisten reagieren Vertreter der linksradikalen Szene üblicherweise mit einem Schulterzucken und sprechen über Opfer von Polizeigewalt in den eigenen Reihen. Schuld an Ausschreitungen sei einzig der „aggressive Korpsgeist“ der Polizisten, sagt Hannah, die Polizei betreibe eine „Eskalationspolitik“ und freue sich auf Prügeleien mit dem Schwarzen Block, sagen die Heidelberger Aktivisten. Die Beamten könnten die Härte ihrer Maßnahmen meist nicht einschätzen. Nur wenige Beamte wüssten, wie sich Pfefferspray anfühle, und sie seien bei Festnahmen ungewollt grob, weil sie unter der Schutzkleidung kein Feingefühl hätten, sagen die Aktivisten. „Die Rede von den gewaltbereiten Autonomen ist ein Mythos der Polizei. Bei den meisten Demonstrationen, auf denen der Schwarze Block vertreten ist, passiert nichts“, sagt einer der Heidelberger. Der Schwarze Block sei eine Reaktion, keine Aktion.

Auf Internetseiten kursieren Hunderte Videos, in denen Demonstranten von Polizisten geschlagen werden. Die Szenen sind martialisch. Einem wenig wehrhaften Demonstranten wird während einer Verhaftung angeblich ein Schädelbruch zugefügt. Polizisten schlagen einen Autonomen, der sich bereits im Haltegriff eines anderen Beamten befindet. Andere sprühen Pfefferspray in eine Menge von Demonstranten und treffen dabei Personen, denen angeblich kein Fehlverhalten zur Last gelegt werden kann. Nachprüfbar sind solche Fälle nur, wenn es zu einem Strafverfahren kommt, was nach Meinung der Autonomen selten ist, weil Polizisten in vielen Bundesländern, anders als in Berlin, keine individuellen Kennzeichen tragen. Unabhängig von ihrer Beweiskraft führen die Videos aber zu einem regelrechten Hass auf die Bereitschaftspolizei, besonders die Berliner Einheiten, die unter Autonomen als brutal gelten.

Weitere Themen

Es ist kein Raum für Öffnungsdiskussionen Video-Seite öffnen

Armin Laschet : Es ist kein Raum für Öffnungsdiskussionen

Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet tagte am Montag erstmals mit dem neugewählten Präsidium und dem Bundesvorstand, danach äußerte er sich zu möglichen Corona-Lockerungen und den Beziehungen zu Nordamerika.

Topmeldungen

Abendrot über Windenergieanlagen im Windpark «Odervorland» im Landkreis Oder-Spree.

Energiewende in Europa : Erstmals mehr Ökostrom als fossiler in der EU

Europa steigt gleichzeitig aus Kohle, Atomkraft und Mineralöl aus. Das müssen erneuerbare Energien auffangen. Im vergangenen Jahr wurde die Stromversorgung erstmals mehr aus erneuerbaren als aus fossilen Quellen gewonnen.
 Ein Schild weist am 20.10.2008 darauf hin, dass Fußgänger links eine Treppe und Rollstuhlfahrer rechts eine Auffahrt benutzen können.

Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Die Schere geht auseinander

Die Corona-Pandemie geht an keiner Familie spurlos vorüber. Für Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf wird Teilhabe noch schwieriger zu erreichen. Viele Angebote wurden zurückgefahren. Ein Gastbeitrag.

Quarterback Tom Brady : Der Super-Bowl-Macher

Tom Brady, der älteste aktive Spieler der NFL, führt Tampa Bay ins Finale. Für die Buccaneers ist es das erste seit 2003 – für den überragenden Quarterback schon das zehnte. Wie hat er das geschafft?
Tschechien erleichtert sich die Energiewende und hält vorerst an Atomkraftwerken wie in Temelin fest.

Außenminister in Prag : „Die Russland-Politik der EU ist doppelbödig“

Es gibt Kontroversen zwischen Prag und Berlin: Der Außenminister der Tschechischen Republik, Tomáš Petrícek, spricht über die Pipeline Nord Stream 2, den schnellen deutschen Ausstieg aus der Kohle und das Festhalten an Atomenergie.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.