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Amira Mohamed Ali : Linke Blitzkarriere

Neue Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag: Amira Mohamed Ali Bild: EPA

Amira Mohamed Ali ist die erste Muslima an der Spitze einer Bundestagsfraktion. Die Linken-Politikerin bezeichnet sich als „Anti-Kapitalistin“ – zumindest damit hat sie etwas mit ihrer Vorgängerin Sahra Wagenknecht gemein.

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          Dem Superstar folgt ein unbekannter Neuling. Amira Mohamed Ali wurde am Dienstag zur Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag gewählt. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Blitzkarriere: Die 39 Jahre alte Rechtsanwältin ist erst 2015 in ihrem Wohnort Oldenburg in Niedersachsen in die Linkspartei eingetreten, in der ihr Ehemann schon aktiv war. Nur zwei Jahre später zog sie in den Bundestag ein, jetzt ist sie weitere zwei Jahre später Chefin von 69 Abgeordneten. Dass sie gewählt wurde, hatte allerdings weniger mit der Strahlkraft der Frau aus Niedersachsen zu tun, als mit den Machtverhältnissen in der seit langem zerstrittenen Fraktion.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Sprecherin für Verbraucherschutz und Tierschutz gehört zum linken Flügel der Partei, auch wenn sie dort bisher nicht besonders aufgefallen ist. Die Anhänger Wagenknechts dürften sie also am Dienstag gegenüber ihrer Konkurrentin Caren Lay vorgezogen haben, die ein enges Verhältnis zu Wagenknechts schärfster Kritikerin hat, der Parteichefin Katja Kipping. Zudem wollte der wiedergewählte Fraktionschef Dietmar Bartsch aus persönlichen Gründen nicht mit Lay in einer Doppelspitze zusammenarbeiten. Deshalb führte er mit anderen Frauen aus der Fraktion Gespräche und konnte Mohamed Ali zur Kandidatur bewegen. Man darf annehmen, dass ein Teil der Reformer, deren Führungsfigur Bartsch ist, ebenfalls die Favoritin des alten und neuen Fraktionschefs gewählt hat.

          Mohamed Ali ist die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen, sie ist die erste Muslima, die zur Fraktionsvorsitzenden im Bundestag gewählt wurde. Die Moschee besucht sie nach eigenen Angaben nicht, aber ihr Glaube ist ihr wichtig. Geboren und aufgewachsen ist sie in Hamburg, die Familie war nicht begütert. Auf der Gelehrtenschule des altsprachlichen Johanneums im Stadtteil Winterhude war die Schülerin, die in Fuhlsbüttel aufwuchs, mit ihrem Migrationshintergrund vor einem Vierteljahrhundert noch die große Ausnahme. Der Vater war linksorientiert, die Tochter wuchs in einem SPD-Haushalt auf. Nach der Schule konzentrierte sie sich zunächst auf ihr Studium der Rechtswissenschaften in Hamburg und Heidelberg.

          Das Referendariat brachte sie nach Oldenburg, wo sie ihren Mann kennenlernte und seit mehr als zehn Jahren lebt. Bei einem Autozulieferer war Mohamed Ali, die eigentlich gerne Richterin geworden wäre, zehn Jahre als Syndikus-Anwältin und Vertragsmanagerin tätig.

          Sie bezeichnet sich als „Anti-Kapitalistin“, das kapitalistische System müsse dahingehend überwunden werden, „dass wir mehr Gemeinwohlorientierung brauchen“, hat sie in einem ihrer bisher seltenen Interviews dem Journalisten Tilo Jung gesagt. Zumindest in diesem Punkt hat sie mit ihrer Vorgängerin etwas gemein.

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