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Trotz Stasi-Vorwürfen : Linken-Politiker Holm wird Staatssekretär in Berlin

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Wird trotz Protesten Staatssekretär im Berliner Bauressort: Der Stadtsoziologe und Linkspartei-Politiker Andrej Holm. Bild: dpa

An seiner Nominierung zum Staatssekretär im neuen rot-rot-grünen Senat hatte es Kritik gehagelt. Doch die Linkspartei hielt an Andrej Holm fest, der wegen seiner Stasi-Vergangenheit als junger Mann umstritten ist.

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          Der wegen seiner Stasi-Vergangenheit umstrittene Linken-Politiker Andrej Holm wird Staatssekretär in der neuen rot-rot-grünen Landesregierung in Berlin. Das teilte die Landesregierung am Dienstag nach der Senatssitzung mit.

          Die Personalie war umstritten, weil Holm sich als Jugendlicher freiwillig für eine Laufbahn beim DDR-Ministerium für Staatssicherheit verpflichtet hatte. Er habe nicht den Mut gehabt, sich zu distanzieren, gestand er später ein. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) hat den 46 Jahre alten Stadtsoziologen und Gentrifizierungs-Kritiker für den Bau-Bereich in ihrer Verwaltung nominiert.

          Andrej Holm war vor seiner politischen Karriere in der Linkspartei und Berliner Landespolitik Aktivist, Akademiker, Terrorverdächtiger und mehrere Wochen unschuldig im Gefängnis. Das war 2007, als die Bundesanwaltschaft den Berliner Wissenschaftler für den Kopf einer linken Terrorgruppe hielt.

          Der Stadtsoziologe hatte Fachausdrücke wie Gentrifizierung und Prekarisierung genutzt, die auch in einem Bekennerschreiben auftauchten. Der Bundesgerichtshof attestierte ihm eine „linksextremistische Einstellung“.

          Holms Herz schlägt tatsächlich links, er war unter anderem nach der Wende in der Berliner Hausbesetzerszene aktiv. In der DDR wuchs er in einer regimetreuen Familie auf, der Vater war Stasi-Offizier. Auch Holm wurde mit 14 als Schüler von der Stasi angesprochen, verpflichtete sich mit 16, wurde kurz vor dem 19. Geburtstag als Offiziersschüler eingestellt. Der Mut zum Aufbegehren habe ihm gefehlt, sagt er heute. In seiner Akte liest man von „gefestigtem Klassenstandpunkt“. Und: „Als Agitator genoss er Achtung und Anerkennung“. Ein Spitzel, betont Holm, sei er aber nicht gewesen. Er habe nie Berichte über Menschen oder Versammlungen geschrieben.

          Bereits nach fünf Monaten Dienstzeit wurde Holm Anfang 1990 wegen der politischen Wende in der DDR entlassen. Danach engagierte er sich in linken Organisationen und stadtpolitischen Initiativen. Er studierte Sozialwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, promovierte zum Thema „Restrukturierung des Raumes und gesellschaftliche Macht im Sanierungsgebiet“.

          Es folgten Lehraufträge an verschiedenen Universitäten. Holm machte sich als Stadtsoziologe, Gentrifizierungs-Kritiker und Sozialwohnungs-Verfechter schnell einen Namen. Bevor er zum Staatssekretär berufen wurde, arbeitete er am Lehrstuhl für Stadt- und Regionalsoziologie der Humboldt-Universität.

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