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Linke im Saarland : Die Oskardämmerung

  • -Aktualisiert am
Es ist ruhig geworden um ihn, einflussreich bei der saarländischen Linken bleibt er trotzdem: Oskar Lafontaine.
          4 Min.

          Als Oskar Lafontaine vor ein paar Wochen wieder einmal im saarländischen Landtag sprach, gab er sich kampfeslustig wie immer. Mindestlohn, Fiskalpakt, Deregulierung; die ganze Bandbreite der Politik, präsentiert und erklärt vom Großmeister. Nach der Rede gab es Applaus von der siebenköpfigen Linksfraktion, auch bei den Piraten klatschten einige mit - nur bei der SPD gab man sich betont desinteressiert. Die Zeiten, in denen Lafontaine die Sozialdemokraten aus dem Konzept bringen konnte, sind vorbei.

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit der Landtagswahl im März ist es still geworden um Lafontaines Genossen. Keine Rede mehr von einer rot-roten Liaison, die Lafontaine der zaudernden SPD von Heiko Maas auch schon mal großmütig andiente. Seither arbeitet die große Koalition fast geräuschlos. Sie dominiert den Landtag, die Opposition ist marginalisiert. Auch um Lafontaine ist es ruhig geworden. Die „Götterdämmerung“ habe eingesetzt, wird mittlerweile nicht nur in der SPD gewitzelt. Dass mit Pia Döring im April erstmals eine Landtagsabgeordnete aus der Linkspartei aus- und in die SPD eintrat und nicht umgekehrt, bestätigt viele noch in ihrer Meinung: Lafontaines Stern verblasst selbst im Saarland. Dort wo er stets am hellsten strahlte.

          „Der macht nur, was der Oskar sagt.“

          “Früher hat man gesagt: Der Oskar wird’s schon richten. Aber dieser Nimbus ist lange vorbei“, sagt Manfred Klein, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Stadtrat Friedrichsthal. Nach 35 Jahren in der SPD ist er einst wegen Lafontaine in die Linkspartei gewechselt, doch jetzt fühlt er sich von ihm betrogen. Aus Protest hat Klein im März gemeinsam mit anderen Genossen einen offenen Brief an die Parteiführung geschrieben, in dem er ihr unter anderem „Stasi-Methoden“ und eine „systematische gezielte Installation von ,Filz’ und ,Abnickern’“ vorwarf. 18 Genossen traten daraufhin aus der Partei aus, die Friedrichsthaler Fraktion löste sich auf. Heute ist Klein fraktionslos und im Stadtrat Vorsitzender der Bürgergemeinschaft „Bündnis soziale Zukunft“. Auf eine Reaktion auf den Brief wartet er noch immer. „Oskar Lafontaine lässt keine Kritik zu, er hat zu viele um sich, die ihm nicht widersprechen“, sagt Klein. Wer es trotzdem wage, bekomme „die Knute zu spüren“. Auch den Landesvorsitzenden Rolf Linsler kritisiert Klein: „Der macht nur, was der Oskar sagt. Eine totale Fehlbesetzung.“

          Die Stimmung ist bescheiden bei der saarländischen Linkspartei - und das Chaos nicht nur in Friedrichsthal groß. Im Ortsverband in Erich Honeckers Heimatort Wiebelskirchen trat im Frühjahr der gesamte Vorstand aus Protest gegen die Parteispitze und „innerparteiliche Denunzierungen“ zurück. In Homburg verließen im Mai drei der fünf Fraktionsmitglieder der Linkspartei im Stadtrat die Fraktion und bilden seither eine freie „Fraktion für Homburg“ - gemeinsam mit zwei ehemaligen FDP-Stadträten. Mehr als ein Drittel der früher 54 Fraktionen der Linkspartei im Land sind mittlerweile zerbrochen oder führungslos - Tendenz steigend. Die Stimmung sei „miserabel“, klagen selbst Kreisvorsitzende hinter vorgehaltener Hand. Die Vorwürfe sind überall die gleichen: Von einer „Günstlingsclique“ um Lafontaine und „seinem“ Landesvorsitzenden Linsler ist die Rede, von Mobbing und Anfeindungen unter Genossen, von einer Parteiführung nach Gutsherrenart und einer allgemein „katastrophalen Lage“.

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