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FDP-Parteitag in Berlin : Linda Teuteberg zur neuen Generalsekretärin gewählt

Gespräche drehen sich um Frauenfrage

Doch obwohl Lindner die Delegierten mahnte, es gebe auch „so etwas wie einen liberalen Feminismus“ – und obwohl das Frauenförderprogramm selbst dem Parteitag gar nicht zur Entscheidung vorliegt –, drehte sich die Debatte nach Lindners Rede vor allem um die Frauenfrage. Mancher ältere süddeutsche Delegierte empfand selbst die vom Vorstand beschlossene Zielförderung für Frauen als illiberal, manche jüngere Frau plädierte zwar gegen feste Quoten, hielt aber andere Formen der Förderung für dringend geboten.

Vor dem Parteitag lag das Augenmerk vor allem auf den wenigen Personalentscheidungen, für die der Vorsitzende die Zustimmung der Delegierten erbitten musste. Ausgelöst wurden sie durch den Wechsel der bisherigen Generalsekretärin Nicola Beer, die als Spitzenkandidatin die FDP in die Europawahl führt und damit voraussichtlich ab Sommer ihren politischen Tätigkeitsmittelpunkt in Brüssel findet. Erstens wurde damit die Position des Generalsekretärs vakant, zweitens erbat sich Beer quasi als Kompensation ihrer auswärtigen Tätigkeit einen sicheren Platz in der FDP-Führungsspitze; sie erhob Anspruch auf die Position einer stellvertretenden Parteivorsitzenden.

Lindner: FDP ist keine Ein-Mann-Show

Da zwei der drei Stellvertreterpositionen von Wolfgang Kubicki und Katja Suding gehalten werden, zwei Bedeutungsgewichte der FDP, wurde Beers Kandidatur als Konkurrenz für die dritte bisherige Stellvertreterin, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verstanden, eine aus der Kommunalpolitik stammende Nordrhein-Westfälin. Aber Strack-Zimmermann löste diese Konkurrentenspannung, indem sie kurz zuvor auf eine neuerliche Kandidatur verzichtete.

Sie erntete auf dem Parteitag anhaltenden stehenden Beifall dafür – der galt sowohl ihrem Engagement seit 2013 als auch der Erleichterung der Delegierten, eine äußerst unpopuläre Auswahlentscheidung vermieden zu haben. Das Ausmaß des Applauses zeigte jedenfalls, dass Beer gegen Strack-Zimmermann nicht mit einem hohen Sieg hätte rechnen können. Auch ohne Konkurrenz wurde es knapp für sie: Nur 59 Prozent der abstimmenden Delegierten wählten sie in ihr neues Präsidiumsamt.

Und das Wohlwollen, das dieser Rochade Strack-Zimmermann/Beer entgegenschlug, dehnte sich auch auf Lindners Entscheidung für die neue Generalsekretärin aus. Er habe sich nicht aus Regionalproporz-Gründen oder wegen des Geschlechts für die Brandenburgerin Linda Teuteberg entschieden, behauptete Lindner, sondern allein wegen ihrer politischen Kompetenz. Teuteberg demonstriere, dass die FDP keine Ein-Mann-Show sei, sondern eine breite personelle Basis habe. Auch dieser Aussage ihres geschätzten Vorsitzenden stimmten die FDP-Delegierten dankbar zu. Die 38 Jahre alte Juristin Teuteberg erhielt am Freitag 92,8 Prozent der Delegiertenstimmen und wurde damit neue FDP-Generalsekretärin.

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