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Limburger Bischof : Tebartz-van Elst zurückgetreten

  • -Aktualisiert am

Bischof Tebartz-van Elst Bild: Wolfgang Eilmes

Bischof Tebartz-van Elst ist von seinem Amt zurückgetreten. Der Papst nahm das Rücktrittsgesuch an. Im Abschlussbericht der Bischofskonferenz heißt es, Tebartz sei stets über die ausufernden Kosten informiert gewesen.

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          Papst Franziskus hat am Mittwoch den Rücktritt des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst mit sofortiger Wirkung angenommen. „Angesichts der Tatsache, dass es in der Diözese Limburg zu einer Situation gekommen ist, die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes durch Seine Exzellenz Monsignore Franz-Peter Tebartz van Elst verhindert“, habe der Heilige Stuhl am Mittwoch „den Amtsverzicht des bisherigen Bischofs angenommen und entsendet mit Bischof Manfred Grothe einen Apostolischen Administrator“, heißt es in einer Mitteilung des Vatikans. Tebartz-van Elst werde „zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden.“

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          An Tebartz' Stelle tritt für eine Übergangszeit der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe. Der Geistliche, der den Titel Apostolischer Administrator führt und in wenigen Tagen sein 75. Lebensjahr vollenden wird, hatte die Prüfungskommission geleitet, die seit vergangenem Herbst das Finanzgebaren des Bischofs und seiner Mitarbeiter im Zuge der Errichtung des „Diözesanen Zentrums St. Nikolaus“ rekonstruiert hat.

          Dessen Kosten waren von zunächst veranschlagten 2,5 Millionen Euro binnen dreier Jahre auf mindestens 31 Millionen gestiegen. Über diesen Umstand hatte Tebartz-van Elst die Öffentlichkeit monatelang hinters Licht geführt. Der Prüfungsbericht wurde an diesem Mittwoch von der Bischofskonferenz im Internet veröffentlicht. Darin heißt es, Tebartz-van Elst sei stets über die ausufernden Kosten für den Bau seines Bischofssitzes informiert gewesen. Bischof und Domkapitel hätten geltendem Recht „in zahlreichen Fällen nicht Rechnung getragen“.

          Der 54 Jahre alte Geistliche war vor fünf Monaten von der Leitung seines Bistums entpflichtet worden und lebt seitdem außerhalb der Diözese. In der Zwischenzeit hat das Landgericht Hamburg ein Verfahren gegen Tebartz-van Elst wegen falscher Erklärungen an Eides statt in der Zwischenzeit gegen Zahlung einer Geldauflage von 20.000 Euro eingestellt.

          Über eine weitere Verwendung des vormaligen Limburger Bischofs wurde am Mittwoch nichts bekannt. Dem Vernehmen nach ist es ausgeschlossen, dass er wieder mit der Leitung einer Diözese betraut werden könnte.

          Marx und Lehmann loben Entscheidung des Papstes

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte in Berlin: „Es ist gut, dass der Papst heute eine Entscheidung herbeigeführt hat, die für das Bistum Limburg eine Zeit der Unsicherheit beendet und einen Aufbruch und einen Neubeginn möglich macht.“

          Marx würdigte die Arbeit der Prüfkommission, die sein Vorgänger Robert Zollitsch eingesetzt hatte. Zollitsch habe mit Sachlichkeit und Sensibilität das „nicht einfache Unterfangen“ begleitet. Marx sagte weiter, dass er es als künftige Aufgabe betrachte, Entscheidungen über Finanzen in der katholischen Kirche transparenter und nachvollziehbarer zu machen. An die Menschen im Bistum Limburg appellierte er, für einen Neuanfang seien Bereitschaft zur Versöhnung und neues Vertrauen nötig.

          Limburger Bischof : Kardinal Marx kommentiert den Fall Tebartz-van Elst

          Die Entscheidung von Papst Franziskus hat nach Ansicht des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, „große Bedeutung für die Kirche in Deutschland“. Jetzt sei „die Chance für einen wirklichen Neuanfang in der Diözese gegeben.“ Es sei aber gleichzeitig „sehr wichtig, dass aus den Erfahrungen in der Diözese Limburg auch die notwendigen Konsequenzen für die Kirche in ganz Deutschland gezogen werden“, fügte Glück hinzu: „Dies gilt besonders für die Transparenz der kirchlichen Finanzen, für die Bedeutung einer qualifizierten Gremienarbeit und für einen kooperativen Führungsstil.“

          Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sagte, Franziskus' Entscheidung erspare dem Bistum Limburg und auch Bischof Tebartz-van Elst weitere Streitigkeiten. Er verbinde damit den Wunsch, dass sich für den Bischof „eine gut überlegte künftige Aufgabe ergibt.“ Dem Nachbarbistum wünsche er vor allem eine gute Wiederbesetzung des Bischöflichen Stuhles und „eine Sanierung der Schäden und Verluste, die nicht nur im Limburg, sondern überall in unserem Land entstanden sind“.

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