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Verdacht der Untreue : In Limburg geht die Angst um

Domberg des Anstoßes: Der Bau zu Limburg an der Lahn, der Bischof Tebartz-van Elst als Dienst- und Wohnsitz dient Bild: Michael Kretzer

Im Februar 2008 wollte Bischof Tebartz-van Elst zwei Millionen Euro für sein Bischofshaus ausgeben. Es wurden mehr als dreißig. Wie konnte es dazu kommen?

          Der Bau sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. All zu viel zu sehen gab es freilich nicht. Denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick auf das Bauwerk, das als Komposition von Vergangenheit und Gegenwart Kunstgeschichte schreiben sollte. Als „Kolumba“ nach Jahren fertiggestellt wurde, war die Begeisterung einhellig. Lob ergoss sich nicht nur über den Architekten Peter Zumthor, der bald darauf mit den bedeutendsten Architekturpreisen der Welt ausgezeichnet wurde. Gerühmt wurde auch der Bauherr, das Generalvikariat des Erzbistums Köln. Es hatte sich das neue Kunstmuseum des Erzbistums stattliche 43,1 Millionen Euro kosten lassen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Sich? Fünf Millionen hatte das Land Nordrhein-Westfalen beigesteuert. Den Löwenanteil von annähernd 40 Millionen Euro brachte das von Joachim Kardinal Meisner und seinem Generalvikar Norbert Feldhoff geleitete Erzbistum auf – und das vollkommen geräuschlos. Denn der Kölner Kardinal war gut beraten. Noch ehe der Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, hatte der Generalvikar das Projekt allen wichtigen Gremien zur Abstimmung vorgelegt, auch wenn diese in Haushaltsdingen nichts mitzureden hatten. Kirchensteuerrat, Priesterrat, Pastoralrat, nochmals Kirchensteuerrat – die Abstimmungen fielen stets mit überwältigender Mehrheit zugunsten des Vorhabens aus. Wieder einmal zeigte sich die Kirche von Köln in bester Tradition als Mäzen von Kunst und Kultur.

          Ging alles mit rechten Dingen zu?

          Auch das neue Bischofshaus auf dem Limburger Domberg sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. Allzu viel zu sehen gab es auch in Limburg nicht, denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick. Doch statt Kunstgeschichte schreibt das Bauwerk nun Kirchengeschichte. Denn als das sogenannte Diözesane Zentrum St. Nikolaus nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde, der Bauherr seinen Namen selbst in der „New York Times“ lesen konnte und in einer französischen Zeitung als „évêque bling-bling“ tituliert wurde, nahm dieser kurzerhand reißaus. In der Sonntagsfrühe flog er nach Rom.

          Bilderstrecke

          Seitdem weigern sich immer mehr Priester zwischen dem Westerwald und dem Rheingau, „unseren Bischof Franz-Peter“ während des Gottesdienstes an der vorgeschrieben Stelle zu nennen. Die Metaphoriker sagen: „Der Hirte hat seine Herde verlassen.“ Die Bodenständigen: „Tebartz ist abgehauen.“ In Limburg geht derweil die Angst um. Denn seit Beginn dieser Woche geht die Staatsanwaltschaft Limburg dem Verdacht nach, dass es bei der Finanzierung des mindestens 31 Millionen Euro teuren Bischofshauses nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Geprüft wird der Vorwurf der Untreue, begangen durch Bischof Tebartz-van Elst. Geprüft wird auch, ob der Vermögensverwaltungsrat des sogenannten Bischöflichen Stuhles sich strafbar gemacht hat.

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