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Kommentar : Die Zeit drängt

  • -Aktualisiert am

Fraglich, wie lang Tebartz-van Elst noch im teuren Dienst- und Wohnsitz bleibt: Auch der Vorsitzende des Domkapitels hat sich gegen den Bischof ausgesprochen. Bild: dpa

Auch wenn die Debatte um Bischof Tebartz-van Elst aufgeheizt ist, ein schneller Entscheid wird aus dem Vatikan wohl nicht kommen. Doch das Urteil zur Causa sollte bald fallen, schließlich gibt es erheblichen Gesprächsbedarf.

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          Wer gestern eine klare Stellungnahme von Erzbischof Robert Zollitsch zur Zukunft von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und des Bistums Limburg erwartet haben sollte, wurde enttäuscht. Erstens sind Schnellschüsse unvatikanisch, so aufgeheizt die Debatte auch ist. Zweitens war das Gespräch mit Zollitsch Teil päpstlicher Meinungsbildung, nicht deren Ende, und drittens obliegt dem Papst die entscheidende Deutungshoheit über die Causa. Ihr kann Zollitsch nicht vorgreifen.

          So plausibel das alles ist, allzu lang sollte der Prozess bis zu einer, so Zollitsch, „guten und baldigen Lösung“ nicht mehr dauern. Dass es erheblichen Gesprächsbedarf gibt, zeigt nicht zuletzt das Krisentreffen, zu dem für Freitag die Dezernenten und leitenden Mitarbeiter des Bistums kurzfristig eingeladen worden sind.

          Keine Chance mehr für Limburger Bischof

          Man wäre vermutlich schon einen Schritt weiter, wenn es nicht gut einen Monat gedauert hätte, bis jene Kommission tätig wird, die die Finanzierung des bischöflichen Dienst- und Wohnsitzes überprüfen soll. Vereinbart worden war sie am 14. September, am Freitag soll sie ihre Arbeit aufnehmen. Sie soll mit Blick auf den Bischof, seinen Generalvikar und den Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls richtigerweise zur Klärung mancher Fragen beitragen, vor allem zu jener, wer wann welche Verantwortung trug.

          Doch die Front ist auch unabhängig von einzelnen Ergebnissen, zu denen die Kommission kommen mag, klar. Für eine Zusammenarbeit mit dem Bischof sieht zum Beispiel auch Domdekan Günther Geis, der Vorsitzende des Domkapitels, keine Chance mehr, er plädiert in der aktuellen Kirchenzeitung öffentlich für einen „Neuanfang mit einem neuen Bischof“. Deutlicher und viel ranghöher in der Bistumshierarchie geht es nicht mehr.

          Spannend wird sein, wie viel Zutrauen der Vatikan in das Domkapitel setzt. Lässt der Papst ihm freie Hand, um einen zur Integration fähigen Diözesan-Administrator zu wählen, falls der Bischof seinen Amtsverzicht erklären sollte, oder bestimmt der Papst einen Verwalter von außen? Einerseits gibt es gute Erfahrungen mit dem päpstlichen Gesandten Kardinal Lajolo. Andererseits muss das Bistum letztlich von selbst die Kraft aufbringen, die Krise zu bewältigen. Diese Aufgabe kann ihm niemand ersparen.

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