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„Ausgezeichnetes Gespräch“ : Tebartz-van Elst dankt Papst für Privataudienz

  • -Aktualisiert am

Aus dem Vatikan gibt es keine aktuellen Bilder: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Ende August in Frankfurt Bild: dpa

Acht Tage lang hat Tebartz-van Elst warten müssen, nun hat ihn der Papst empfangen. Aus Kirchenkreisen hieß es, es sei ein ausgezeichnetes Gespräch gewesen. Der Limburger Bischof sei dankbar für die „sehr ermutigende Begegnung“.

          Papst Franziskus hat am Montag im Vatikan den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in einer Privataudienz empfangen. Seit einer Woche hatte der Geistliche aus Deutschland darauf gewartet; zunächst hatte es in der Kurie geheißen, so ein Treffen sei unwahrscheinlich. Doch dann wurde Tebartz-van Elst am Vormittag nach einer Delegation des Lutherischen Weltbundes und dem Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, für ein rund dreißig Minuten währendes persönliches Gespräch mit dem Papst vorgelassen. Wie bei Privataudienzen üblich, gab es danach aber keine Verlautbarungen über den Inhalt des Gesprächs. Aus Kirchenkreisen hieß es nur, der Papst sei gut informiert gewesen, es habe mithin eine einvernehmliche Grundlage und ein ausgezeichnetes Gespräch gegeben. Bisher gehegte Vermutungen, der Papst wolle Tebartz-van Elst fürs Erste nicht mehr nach Limburg zurückschicken, konnten nach der Audienz zunächst weder bestätigt noch dementiert werden. Ein Sprecher von Tebartz-van Elst teilte nach dem Treffen mit, der Bischof sei dankbar für die „sehr ermutigende Begegnung“ mit dem Papst.

          Das Treffen Franziskus’ mit Meisner war zwar nach Angaben aus Köln schon lange geplant, aber auch bei diesem Gespräch dürfte es um die Lage in Limburg gegangen sein, denn das Bistum Limburg gehört zur Kirchenprovinz Köln. Meisner hatte sich bis vor kurzem noch schützend vor Tebartz-van Elst gestellt, hatte dann aber seine Unterstützung relativiert. Der Papst steht in dem Ruf, vor jeder Entscheidung, vor allem wenn es um Personen geht, von möglichst vielen Seiten Ratschläge einzuholen und auch den Betroffenen zu befragen.

          Dem Limburger Bischof wird vorgeworfen, die Baukosten für seine Residenz immer weiter in die Höhe getrieben und versucht zu haben, die Zahlen darüber seinen Gremien und der Öffentlichkeit zu verheimlichen. Inzwischen wird von Kosten von mindestens 31 Millionen Euro, wenn nicht gar vierzig Millionen Euro gesprochen. Zudem beantragte die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl; dabei geht es um eine falsche eidesstattliche Erklärung über einen Erste-Klasse-Flug nach Indien.

          In Rom wird der Strafbefehl für mindestens genauso schwerwiegend angesehen wie der Skandal um überhöhte und offenbar verheimlichte Baukosten. Trotzdem will der Papst dem Vernehmen nach vor einer endgültigen Entscheidung vor allem den Bericht der Kontrollkommission abwarten, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, einsetzte, welche die Kosten, die Abrechnungen darüber und den Ablauf der Entscheidungen beim Bau überprüfen soll. Sie begann am vergangenen Freitag ihre Arbeit und dürfte damit einige Wochen beschäftigt sein.

          Albert Schmid, der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und ein Freund von Tebartz-van Elst, bezeichnete derweil eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg als „eher unwahrscheinlich“. Dabei nahm Schmid den Bischof am Sonntagabend in der ARD gegen den Vorwurf der Verschwendung beim Neubau seiner Bischofsresidenz in Schutz. Der Streit über den Bau werfe die Frage auf, ob der Bischof „Opfer der innerdiözesanen Auseinandersetzungen im Bistum Limburg“ sei. Auch Schmid rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung in Rom: „Der Papst wird kein Schnellrichter sein“, sagte er. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sagte zur Zukunft von Tebartz-van Elst: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Limburg noch mal einen Ansatz für ihn gibt, der vertrauensvoll einen neuen Anfang setzen kann.“ Die Vorgänge in Limburg hätten über das Bistum hinaus zu einer bundesweiten Diskussion über den Umgang der Kirche mit ihrem Vermögen geführt, sagte Bode der Katholischen Nachrichten-Agentur.

          Herbststimmung in Limburg

          An der Kurie wurde in den vergangenen Tagen immer häufiger davor gewarnt, Tebartz-van Elst nur schlechtzumachen. Der Bischof gilt in Rom als vorbildlicher Reformer beim Neuzuschnitt der Gemeinden. Es wird ihm dabei zugutegehalten, dass er nicht autoritär über die Pastoren hinweggehandelt habe. Zudem werden an der Kurie seine pastoraltheologischen Veröffentlichungen geschätzt; aus diesem Blickwinkel sei der Bischof nicht weit vom Denken des Papstes entfernt. Vorrangig aber sei, heißt es, dass die Kirche in den vergangenen Tagen kostbares Vertrauen eingebüßt habe.

          Der Skandal um Tebartz-van Elst schade der Kirche ähnlich schwer wie der Missbrauchsskandal. Nun müsse Vertrauen zurückgewonnen werden.
          Derweil predigte Papst Franziskus am Montagmorgen bei seiner Messe im vatikanischen Gästehaus Santa Marta gegen Habsucht und Geldgier und rief zu einem bescheidenen Lebensstil auf. Gier und Geiz zerstörten Menschen und Familien, sagte er. Den „Weg Gottes“ kennzeichneten hingegen Armut und Bescheidenheit. Ihn zu gehen bedeute „sich bücken, um zu dienen“, sagte Franziskus. Zugleich hob er hervor, dass Armut kein Selbstzweck sein dürfe. Sie müsse vielmehr zeigen, dass Gott der „wahre Herr“ sei und „kein goldiger Gott“.

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