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„Leo 2018“-Studie : So viele Deutsche können kaum lesen und schreiben

  • -Aktualisiert am

Aller Anfang ist schwer – eine Schülerin schreibt das ABC an die Tafel. Mehr als 6 Millionen Deutsche können laut einer Studie nicht richtig Deutsch lesen und schreiben, Bild: dpa

Mehrere Millionen Deutsche haben eine Lese- und Schreibschwäche. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Universität Hamburg. Vor allem die Digitalisierung stellt viele vor große Herausforderungen.

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          6,2 Millionen Deutsche haben große Probleme damit, Texte auf Deutsch zu lesen und zu schreiben – das geht aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie „Leo 2018 – Leben mit geringer Literarität“ der Universität Hamburg hervor. Es klingt dramatisch – dabei ist im Vergleich mit den Zahlen der Vorgängerstudie von 2011 schon ein deutlicher Fortschritt zu erkennen. Diese kam noch auf 7,5 Millionen, es ist also ein Rückgang von 1,3 Millionen Personen mit Leseschwierigkeiten zu verzeichnen. 

          Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Studienleiterin Anke Grotlüschen, dass es bei Literalität nicht um Rechtschreibung oder Grammatik geht. Der Begriff Literalität bezeichne die jeweilige Lese- und Schreibkompetenz. „Geringe Literalität bezeichnet das Unterschreiten der Textebene. Das heißt, Betroffene können zusammenhängende Texte nicht lesen und auch nicht schreiben“, sagte Grotlüschen. Bei Rechtschreibung könne man darüber diskutieren, ob sie ein zentrales Element sei, das man braucht, um gesellschaftlich teilzuhaben, sagte Grotlüschen. In ihrer Studie hätten sie aber zugelassen, das Menschen fehlerhaft schreiben, so Grotlüschen weiter.

          Mit der Studie würde untersucht, auf welche Bereiche sich geringe Literalität besonders auswirke. In dem Fragebogen werden Erwachsene beispielsweise nach ihrem Umgang mit digitalen, gesundheitsspezifischen und finanziellen Angeboten gefragt, ob und wie häufig sie technische Geräte nutzen, ob ihnen bei ihren eigenen Emails oder Nachrichten Rechtschreibfehler auffallen, und ob sie ihre Bankangelegenheiten eher persönlich oder digital erledigen würden.

          Anke Grotlüschen leitete die „Leo-Studie 2018". Sie ist Professorin für Lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg.
          Anke Grotlüschen leitete die „Leo-Studie 2018". Sie ist Professorin für Lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg. : Bild: UHH/Ohme

          Gerade online gibt es Schwierigkeiten

          Laut Grotlüschen sei man vor allem von den Einschränkungen betroffen, wenn man sich in der digitalen Welt bewegt, „von Online-Banking über Gesundheitsapps bis zu der Wahrnehmung politischer Rechte, zu der man zum Beispiel den Wahl-O-Mat verwenden würde“. Gerade bei diesen Beispielen hätten sie und ihre Kollegen gemerkt, dass mit geringer Literalität weder das Lesen noch das Schreiben oder das Beherrschen von digitalen Anwendungen gut funktioniere, sagte Grotlüschen. „Wir haben zum Beispiel danach gefragt, ob Menschen die Wortvorschläge von WhatsApp und ähnlichen Apps verwenden. Das wird schon überproportional oft gemacht, also die Menschen sind sich dessen bewusst, dass sie nicht gut schreiben können und nehmen die Hilfen auch an“, sagte Grotlüschen.

          In der Erwerbstätigkeit oder der Familie seien Betroffene in der Regel jedoch nicht stark eingeschränkt. Und auch das Vorurteil, dass junge Menschen immer ungebildeter werden, wird laut der Studie nicht bestätigt. Die kleinste Gruppe der Betroffenen ist die der 18 bis 25-Jährigen mit gut zwölf Prozent. Die Verbesserungen im Vergleich zur Studie von 2011 seien vor allem daran festzumachen, dass sich sowohl die Schulbildung, als auch die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung erhöht hätte. Auch integrationspolitische Maßnahmen hätten gegriffen. „Wir halten das für einen Bevölkerungseffekt“, sagte Grotlüschen. Laut der Studie ist der Anteil gering literarisierten Erwerbstätigen im Vergleich zu 2010 zurückgegangen. 2010 lag dieser noch bei 12,1 Prozent und ist 2018 auf zehn Prozent gesunken. 

          „Wir sehen auch, dass die Alterung der Bevölkerung sich nicht negativ durchgeschlagen hat“, sagte Grotlüschen. Insgesamt sei die Bevölkerungszusammensetzung ein bisschen älter, ein bisschen bunter, aber vor allen Dingen wesentlich gebildeter geworden und werde auch häufiger beschäftigt. Das ziehe laut Grotlüschen nach oben. 

          Und was könnte getan werden, um den Anteil weiterhin zu senken? Grotlüschen hält eine Professionalisierung des Lehrpersonals für sinnvoll – „Menschen, die als Lehrende unterwegs sind, müssen entsprechende Qualifikationen haben, entsprechend ihrer Qualifikation bezahlt werden und Verträge haben.“

          Die Studie wird vom Bildungsministerium gefördert und ist eine Nachfolgerstudie der Leo – Level-One Studie aus dem Jahr 2010/2011. Mehr als 7.200 Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren wurden im Sommer 2018 für die Studie befragt. Für die Befragung mussten die Menschen ausreichende Deutschkenntnisse vorweisen können, um den Aufgaben folgen zu können. Auf eine persönliche Befragung folgte die Bearbeitung des Fragebogens. Größe und Auswahl der Stichprobe lassen einen Rückschluss auf die Gesamtbevölkerung zu.

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