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Annette Widmann-Mauz : Integrationsbeauftragte distanziert sich von Leitkultur-Begriff

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Annette Widmann-Mauz, Bundesvorsitzende der Frauenunion und seit Mitte März Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, beim CDU-Bundesparteitag in Essen im Dezember 2016 Bild: dpa

Welche Werte prägen die deutsche Gesellschaft? Darüber will die CDU-Politikerin Widmann-Mauz gerne diskutieren – aber möglichst konkret und ohne einen Begriff, der besonders bei der CSU beliebt ist.

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          Die neue Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), hat sich vom Begriff der Leitkultur distanziert. „Ich mag den Begriff nicht sonderlich, denn er führt uns nicht weiter“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). Wichtiger sei eine konkrete Verständigung darüber, „was Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Gewaltlosigkeit als Grundfesten unseres Zusammenlebens bedeuten“.

          Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte in der vergangenen Woche eine Debatte über den Islam und die religiöse Prägung der deutschen Gesellschaft angestoßen. Dafür war er – vor allem von der Opposition – zum Teil heftig kritisiert worden. Aus den Reihen seiner Partei erhielt er aber auch Unterstützung.

          CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der „Augsburger Allgemeinen“ vom Samstag: „Unser Brauchtum, unsere Traditionen, unsere Leitkultur, und unsere Werte sind christlich geprägt. Diese Tatsache hat Horst Seehofer zurecht beschrieben – und damit formuliert, was eine überwältigende Mehrheit denkt.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Seehofer widersprochen hatte, spreche in der Frage nicht für die Mehrheit der Bürger.

          Eine Werte-Debatte begrüße sie, sagte Widmann-Mauz nun der „Rheinischen Post“. Eine solche Selbstvergewisserung tue jeder Demokratie gut. Grundlage für das Zusammenleben sei das Grundgesetz, aber es gebe darüber hinaus auch ungeschriebene Regeln und Erwartungen, die anzuerkennen wichtig für ein gutes Miteinander sei, unterstrich die Staatsministerin im Kanzleramt.

          Widmann-Mauz betonte die Bedeutung von Frauen für den Integrationsprozess. „Ohne die Frauen kann Integration nicht gelingen. Die Teilhabe von Frauen in allen Lebensbereichen ist auch Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft ihr demokratisches und auch wirtschaftliches Potential voll ausschöpfen kann.“ In den Familien nähmen Frauen eine wichtige Rolle ein. Das Frauenbild, das dort gelebt werde, präge auch die nächste Generation.

          Die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz (SPD)

          Die CDU-Politikerin sprach sich dafür aus, Sprach- und Integrationskurse sowie Arbeitsmarktmaßnahmen noch stärker auf Frauen auszurichten. Länder wie Bayern führten sogenannte Mother-Schools ein. Das wolle sie sich ansehen.

          Widmann-Mauz ist seit vergangenem Donnerstag im Amt. Sie folgte auf Aydan Özoğuz (SPD). Die neue Beauftragte im Kanzleramt ist Katholikin, ihre Vorgängerin war die erste Muslimin und Deutsch-Türkin in der Bundesregierung.

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