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Leitfaden vorgestellt : Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Eine Frau bei der Grippeimpfung: Wann wird es auch Impfstoffe gegen Corona geben? Bild: dpa

Wenn es einen Impfstoff gegen Corona gibt, wird er zunächst nicht für alle reichen. Wissenschaftler haben für das Gesundheitsministerium die Frage beantwortet, wer bevorzugt werden soll.

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          Auch wenn derzeit mehr als 200 Kandidaten für einen Impfstoff zum Schutz gegen Covid-19 entwickelt werden und sich schon in der dritten Phase der Erprobung befinden, werden sofort nach der Zulassung längst nicht genügend Impfdosen zur Verfügung stehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat deshalb den Deutschen Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Ständige Impfkommission (Stiko) gebeten, einen Verteilungsplan für die Impfstoffe zu entwickeln, die möglicherweise schon Anfang 2021 in einer begrenzten Zahl zur Verfügung stehen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In einem gemeinsamen Leitfaden für eine Impfempfehlung, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde,  wird festgehalten, dass die Priorisierung medizinischen, ethischen und rechtlichen Prinzipien folgen muss. Diese seien der Bevölkerung in verständlicher Form darzulegen. Die selbstbestimmte Impfentscheidung erfordere eine kontinuierliche transparente Information und Aufklärung der Bevölkerung zur Wirksamkeit der Impfung und möglichen Risiken. Um solche Impfrisiken rechtzeitig zu erkennen und zu mindern, müsse es ein System zur raschen Erfassung und Bewertung unerwünschter Nebenwirkungen geben.

          Impfungen sollen in Zentren vorgenommen werden

          Bisher ist noch immer offen, wie ausgeprägt und wie lange eine Immunität nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung anhält, welche Faktoren sie begünstigen und ob sich die durch eine Infektion erworbene Immunität von der nach einer Impfung unterscheidet. Nach dem derzeitigen Stand der Kenntnisse, wird die Impfung in zwei Dosen mit einem zeitlichen Mindestabstand von drei bis vier Wochen nötig sein.

          Um eine Priorisierung rechtssicher zu machen, muss es nach Auffassung aller drei Gremien eine gesetzliche Grundlage geben. Das Infektionsschutzgesetz und das Grundgesetz enthalten nämlich nur knappe Aussagen zur Verteilung. Evidenzbasierte Begründungen müssten transparent gemacht und begründet werden, sonst lasse sich die bevorzugte Behandlung bestimmter Personengruppen nicht rechtfertigen, heißt es in dem Leitfaden, der Gerechtigkeit und Rechtsgleichheit einfordert. Zuständig für die Impfung sollen nicht Hausärzte, sondern staatlich mandatierte Impfzentren (etwa Gesundheitsämter oder ähnliche Institutionen) sein. Davon erhoffen sich Leopoldina, Stiko und Ethikrat vor allem, dass die Priorisierung nicht unterlaufen wird.

          Leitend soll für die Impfstoffverteilung sein, schwere Covid-19-Verläufe und Todesfälle zu verhindern (allein das Alter oder kognitive Beeinträchtigungen machen einen Menschen noch nicht zum Hochrisikopatienten). Die Bewohner von Pflegeheimen und anderen Einrichtungen in der Langzeitpflege müssten ebenso prioritär geimpft werden wie Personen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein signifikant höhere Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben.

          Als zweite Gruppe werden die im Gesundheitssystem Tätigen genannt, die sich durch regelmäßigen Umgang mit Patienten dem Virus aussetzen müssen. Dazu gehören Mitarbeiter stationärer oder ambulanter Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege. Als besonders schützenswerte Gruppe definiert der Leitfaden drittens die Mitarbeiter der Gesundheitsämter, der Polizei- und Sicherheitsbehörden, der Feuerwehr, Lehrer und Erzieher, sowie all diejenigen, die Kontakt mit potenziell Infizierten haben.

          Die Stiko wird noch vor Jahresende eine auf wissenschaftlichen Daten basierende Matrix vorlegen, in der die zunächst benannten Personengruppen genauer hierarchisiert werden.

          Für ausgesprochen wichtig halten alle drei Institutionen, die Bevölkerung gut und transparent zu informieren und dabei auch auf unterschiedlichen Bildungsstand und Kommunikationsschwierigkeiten Rücksicht zu nehmen. Wenn positive Erkenntnisse zu Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs vorliegen, sollten sie auch über die sozialen Medien gezielt bekannt gemacht werden.

          Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Bundesgesundheitsministerium könnten einen zentralen Part der Information übernehmen. Eindringlich gewarnt wird davor, die Hygieneregeln nach einer Impfung zu vernachlässigen. „Die Verfügbarkeit von Impfstoffen ersetzt die Vorbeugung durch Hygienemaßnahmen nicht“, zumal die Impfquoten zu Beginn sehr niedrig sein werden, heißt es in dem Papier.

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