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Lehrpläne in Baden-Württemberg : Landesschülerbeirat gegen Panikmache über „sexuelle Vielfalt“

Die Kirchen wehren sich gegen eine „Überbewertung des Themas sexuelle Vielfalt“ in den Lehrplänen Bild: dpa

Eine Diskussion über Homosexualität als Unterrichtsthema schlägt in Baden-Württemberg hohe Wellen. „Niemand wird durch einen Lehrplan schwul“, sagt nun der Landesschülerbeirat.

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          Der baden-württembergische Landeschülerbeirat hat Pläne verteidigt, Toleranz für Homosexualität in den Bildungsplänen des Landes zu verankern. „Die sexuelle Vielfalt ist doch ein Teil unserer Gesellschaft, warum sollte sie nicht im Unterricht vorkommen“, sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirates Baden-Württemberg und Vorstand der Bundesschülerkonferenz Deutschland, Christian Stärk, gegenüber „Spiegel Online“.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Sexuelle Identität finde man nicht in der Schule, man habe sie. „Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul oder hetero. Die Pubertät ist die Zeit zum Ausprobieren, und da ist es doch befreiend zu wissen, dass alle Richtungen okay sind. Ich finde die Argumente realitätsfern und noch schlimmer: Solche Ablehnung fördert Homophobie“, sagte der 20 Jahre alte Schüler aus Meersburg am Bodensee.

          Er warnte davor, die Bildungspläne zu überschätzen. „Es ist wirklich nicht so, dass die sexuelle Vielfalt irgendwo in den Vordergrund gestellt wird. Was derzeit passiert, ist Panikmache“, sagt Stärk, der an den Beiratssitzungen zur Bildungsplanreform 2015 teilnimmt. Unter Schülern sei Homosexualität kein großes Problem. „Natürlich gibt es noch immer diese Beleidigungen und auch Homophobie auf dem Schulhof. Vor zehn Jahren war das aber noch viel schlimmer. Jugendliche sind da inzwischen toleranter als es immer heißt.“

          Kirchen lehnen „Überbewertung“ ab

          Zuvor hatten sich die großen Kirchen gegen eine Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht Baden-Württembergs gewandt. Sie forderten die grün-rote Landesregierung auf, sich an die in der Landesverfassung ausführlich festgeschriebenen christlichen Wertegrundlagen zu halten. „Wir lehnen eine Überbewertung des Themas sexuelle Vielfalt in den Bildungsplänen ab“, sagte der Bildungsreferent der württembergischen Landeskirche, Werner Baur, gegenüber FAZ.NET. Die Online-Petition des Lehrers Gabriel Stängle unterstützen die Kirchen jedoch nicht.

          Schon vor einiger Zeit habe die Landeskirche sich aber schriftlich an Kultusminister Andreas Stoch (SPD) gewandt, um sich in die Diskussion über den Bildungsplan einzumischen. Dabei sei  es nicht nur um das Thema „sexuelle Vielfalt“ gegangen. „Wir wollen uns in die fachliche Diskussion einbringen. Wir nehmen die Würde des Einzelnen und den Respekt vor dem Einzelnen sehr ernst“, sagte Baur.

          Erziehung „in Ehrfurcht vor Gott“

          Die Kirchen erinnern an verschiedene Passagen der Landesverfassung, in denen ein Bezug zur christlichen Werteordnung und zum christlichen Menschenbild hergestellt wird: „Der Mensch ist berufen, in der ihn umgebenden Gemeinschaft seine Gaben in Freiheit und in der Erfüllung des christlichen Sittengesetzes zu seinem und der anderen Wohl zu entfalten.“ In Artikel 12 der Landesverfassung ist die Rede davon, dass die „Jugend in Ehrfurcht vor Gott“ zu erziehen sei.

          Außerdem findet sich in der Verfassung noch immer die institutionelle Garantie einer „christlichen Gemeinschaftsschule“. Dass diese Normen allerdings ausreichen, um später eine Verfassungsklage gegen einen Bildungsplan zu formulieren, der eine starke Aufwertung des Themas „sexuelle Vielfalt“ enthält, wird von Verfassungsrechtlern bezweifelt.

          Kontroverses soll kontrovers dargestellt werden

          Nach der Einschätzung des maßgeblichen Verfassungskommentators sollen die christlichen Wertebezüge in der Verfassung „Kultur- und Bildungswerte“ prägen; sie schreiben aber keineswegs eine „christliche Glaubenswahrheit“ oder ein entsprechendes Bekenntnis vor. „Das Erziehungsziel ‚Ehrfurcht vor Gott‘ ist bei der geschilderten einengenden Auslegung mit der Bekenntnisneutralität des Staates und der daraus zu folgernden grundsätzlichen Nichtidentifikation des Staats zu vereinbaren“, heißt es im Kommentar.

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