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Lehrpläne in Baden-Württemberg : Landesschülerbeirat gegen Panikmache über „sexuelle Vielfalt“

Am Freitag teilten die beiden Kirchen mit: „Was in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers ist, muss nach Überzeugung der Kirchen auch in Bildungsprozessen kontrovers dargestellt werden: Die evangelischen Landeskirchen und die katholische Kirche in Baden-Württemberg treten für Weltoffenheit, Toleranz sowie Respekt vor jedem Menschen und seiner unantastbaren Würde ein.“ Sie setzten sich für eine Bildung ein, „die Kinder und Jugendliche stark macht, eine eigene Identität auszubilden und ihre Gemeinschaftsfähigkeit zu fördern“. Jedem Bürger sei es unbenommen, sich zu Themen wie diesem zu Wort zu melden. Das dürfe allerdings nicht durch Hetzportale und diffamierende Blogeinträge geschehen.

CDU: Überflüssig

Die oppositionelle CDU hält Formulierungen, die eine Erziehung zu mehr Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt möglich machen, für überflüssig. „Die bisherigen Formulierungen in den Bildungsplänen sind völlig ausreichend, um das Thema sexuelle Vielfalt zu entfalten. Toleranz ist das Megathema, nicht sexuelle Vielfalt“, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz.

Die Unterstützerzahl der Petition der Reformgegner wuchs bis Freitagvormittag auf knapp 80.000. Der Petition der Befürworter, die von der Lehrergewerkschaft GEW unterstützt wird, hatten am Freitag 13.000 Internetnutzer unterzeichnet.

Der pietistische Flügel in der evangelischen Kirche warnte Grün-Rot davor, die Leitlinien im Grundgesetz verschieben zu wollen. Im Bildungsplan werde eine gleichwertige Darstellung von Homosexualität mit Ehe und Familie angestrebt. Das gehe jedoch zu weit. „Nach dem Grundgesetz und der Landesverfassung müssen Ehe und Familie absolute Priorität haben“, sagte der Generalsekretär der Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb. Die Organisationen in der Deutschen Evangelischen Allianz vertreten nach eigenen Angaben etwa 1,3 Millionen Menschen.

Gegner sagen Veranstaltung ab

Eine für diesen Samstag in Stuttgart-Degerloch geplante Veranstaltung der „Evangelische Lehrer- und Erziehergemeinschaft“ zu dem Thema musste wegen großer Nachfrage abgesagt werden. Den Hauptvortrag sollte die Kinderärztin Christel Vonholt halten, die als Befürworterin der „Reparativtherapie“ gilt. Dieser Therapieform liegt die Annahme zugrunde, dass „homosexuell empfindende Menschen“ einen selbstbestimmten Weg der Veränderung gehen und unter therapeutischer Begleitung ihr „heterosexuelles“ Potential entwickeln könnten. Auch der Initiator der Petition, Gabriel Stängle, wollte an der Diskussionsveranstaltung teilnehmen.

Die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) sagte, die Petition der Gegner sei der „Vergangenheit“ verhaftet. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Claus Schmiedel, nannte Behauptungen der Bildungsplanreformgegner „Schwachsinn“, es sei eine Umerziehung von Kindern und Jugendlichen hin zur Homosexualität beabsichtigt.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke sagte, er halte andere Lebensformen als die klassische Familie für „tolerabel“, aber nicht für „gleichwertig“. Diese Aussage stieß bei den Grünen und auch den Jungen Liberalen auf Kritik: Der grüne Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand sagte, Rülke diskreditiere „Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien“. Der Juli-Landesvorsitzende Sebastian Graz sagte sogar, er schäme sich für Rülkes Aussagen.

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