https://www.faz.net/-gpf-7l9yp

Lehrpläne in Baden-Württemberg : Ich bin schwul, das ist cool!

Kann es sein, dass man gegen „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ist? Offenbar geht es im Streit um die Lehrpläne im grün-roten Baden-Württemberg um etwas anderes.

          Die Aufregung in Baden-Württemberg über die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Schulunterricht hinkt anderen Bundesländern etwas hinterher. Da ist die Sache in der Regel längst erledigt: Zur „Kompetenzentwicklung“ der Schüler gehört es dort, dass Vorurteile gegenüber sexuellen Minderheiten bekämpft werden.

          Sollte es in einem Bundesland noch nicht so sein, wird es Zeit. Ein Beispiel können sich Nachzügler an Frankfurter Schulen nehmen, von deren Pausenhöfen die Schüler mit dem Spruch „Ich bin schwul, das ist cool!“ nach Hause kommen.

          Der Streit in Baden-Württemberg dreht sich aber ganz offenbar nicht um Ziele wie Toleranz, Pluralismus und Aufklärung. Geschürt werden Ängste davor, dass nach dem Muster des „Gender Mainstreaming“ sich eine Ideologie in den Schulen festsetzen könnte, die Jugendlichen einhämmert, nichts sei biologisch, alles sei nur sozial bedingt, also Sache von Prägung, Überzeugung und Milieu.

          Wie viele andere Ideologien ist auch diese in ihrer unerbittlichen Ausprägung nicht ohne Grausamkeit gewesen - und bis heute geblieben. Zum Beispiel wären da absolute Intoleranz und das Bedürfnis zu erwähnen, seine Gegner wenigstens moralisch zu vernichten. Das alles lässt sich nachlesen – künftig sicherlich auch in den Schulbüchern Baden-Württembergs, oder?

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.

          FAZ Plus Artikel: Youtube : Die neue Mündlichkeit

          Rezos Video rechnet mit Lesern, die lesen können, aber meistens nicht gelesen haben, was er für sie gelesen hat. Wie Youtube das Verhältnis von gesprochenem Wort, Schrift und Wissen verändert.
          Der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard. (Archiv)

          EZB-Konferenz in Sintra : „Es gibt keine Schuldenkrise“

          Die Eurozone braucht eine expansive Finanzpolitik und weniger strenge Schuldenregeln, sagt der Ökonom Olivier Blanchard bei der EZB-Konferenz in Sintra. Strukturreformen alleine genügten nicht, um das Wirtschaftswachstum zu beleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.