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„Legida“-Demonstration : Journalisten verprügelt - Zusammenstöße am Bahnhof

  • Aktualisiert am

Vor dem Bahnhof hatte die Polizei Probleme, die Lager zu trennen. Bild: dpa

In Leipzig ist es zu Auseinandersetzungen zwischen „Legida“-Anhängern und Gegendemonstranten gekommen. Journalisten wurden angegriffen. Zuvor hatte es mehrere Brandanschläge auf Bahnanlagen gegeben.

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          Bei der „Legida“-Demonstration in Leipzig ist es am Mittwochabend zu Auseinandersetzungen gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Polizisten durch Böller, Flaschen und Laserpointer verletzt. Auch Journalisten seien attackiert worden.

          Die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete, die Angriffe seien aus dem „Legida“-Lager gekommen. Die Fotoausrüstung eines Pressevertreters wurde zerstört. Die Polizei nahm drei Randalierer in Gewahrsam. Der MDR berichtete, Journalisten seien bespuckt und verprügelt worden.

          „Probleme im Abgang“

          Die Polizei sprach von einer teilweise aggressiven Stimmung zwischen Teilnehmern beider Lager. Zeitweise hätten Gegendemonstranten versucht, die Zugänge zur „Legida“-Kundgebung auf dem Augustusplatz zu blockieren. Zudem habe es zahlreiche Straftaten gegeben, wie etwa Landfriedensbruch und Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie Beleidigungen. „Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen“, sagte ein Polizeisprecher. Vor dem Hauptbahnhof habe es Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben. Insgesamt sei der Einsatz aber erfolgreich verlaufen. Gegen 22 Uhr habe sich die Lage beruhigt.

          Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, das zu Protesten gegen die „Legida“-Demonstration aufgerufen hatte, kritisierte das massive Polizeiaufgebot. Nicht nur gewaltfreier ziviler Ungehorsam gegen „Legida“ sei somit unterbunden worden. Zahlreiche Menschen sei der Zugang zu angemeldeten Protest-Kundgebungen versperrt gewesen, sagte Juliane Nagel für das Aktionsnetzwerk. Sie sprach von etwa 7000 „Legida“-Sympathisanten und 15.000 Gegendemonstranten. Der „Legida“-Aufzug habe noch deutlicher als beim ersten Mal gezeigt, dass die Bewegung ein Sammelbecken für Nazis und gewaltbereite rechte Hooligans sei.

          Nach Brandanschlägen auf Bahnanlagen, die mutmaßlich verübt wurden, um Teilnehmer von der Weiterreise nach Leipzig abzuhalten, rollte der Zugverkehr am Donnerstagmorgen teilweise wieder. Reisende könnten wieder den Nah- und Fernverkehr nach Dresden, Chemnitz und Meißen nutzen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die Anschläge auf Kabelschächte stünden vermutlich im Zusammenhang mit dem Legida-Aufmarsch. Am Abend hatte es außerdem zwei Anschläge im Leipziger Citytunnel gegeben.

          Zu der Kundgebung auf dem zentralen Augustusplatz mit anschließendem Aufzug über den Innenstadtring hatte „Legida“ nach Angaben der Stadt 15.000 Anhänger auf die Straße gebracht, darunter viele Teilnehmer aus Dresden. Mehr als 20.000 Teilnehmer protestierten auf Gegendemonstrationen an mehreren Kreuzungen an der Strecke der „Legida“-Demonstration; 4000 Polizisten aus ganz Deutschland waren im Einsatz. Die Leipziger Innenstadt war schon am Nachmittag für den Autoverkehr gesperrt worden, auch Straßenbahnen und Busse fuhren nicht mehr. Während des „Legida“-Aufzugs wurde an markanten Leipziger Gebäuden wie dem Gewandhaus, dem City-Hochhaus und der Oper die Beleuchtung ausgeschaltet.

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