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Lebensmittelkontrolle : Smileys für Restaurant-Hygiene

  • Aktualisiert am

Ein glücklicher Smiley für ein sauberes Restaurant - bald auch in Deutschland? Bild: Wikipedia

Skandale um Gammelfleisch machten Verbraucher misstrauisch. Viele Länder wollen nun mit einem bundesweiten Smiley-System für Klarheit sorgen. So könnte der Gast schon vor dem Restaurant sehen, wie es bei der Lebensmittelkontrolle abgeschnitten hat.

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          Gegorene Ananas, schimmeliger Käse und ranziges Fett - nicht immer sind Imbissbuden und Restaurants so sauber wie vom Gesetz vorgeschrieben. Verbraucher sollen zukünftig sofort erkennen können, wie eine Gaststätte bei dem Test der Lebensmittelkontrolle abgeschnitten hat.

          Im Gespräch ist ein bundesweites System mit gelben „Smiley“-Gesichtern, die gleich an der Tür darüber informieren, wie eine Gaststätte beim Hygienetest abgeschnitten hat. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hält aber auch andere Modelle für möglich. „Wenn die Lebensmittelüberwachung etwas in einem Betrieb beanstandet, dann sollten Verbraucher auch davon zu erfahren“, sagte die Politikerin am Montag dem „Tagesspiegel“. Hamburg und Niedersachsen wollen bei einem Ministertreffen am Donnerstag und Freitag in Potsdam auf einheitliche Standards hinarbeiten.

          Dänemark als Vorbild

          Aigner sagte, es sei wichtig, dass sich die Länder auf ein gemeinsames Konzept verständigen, das Aktualität und Verlässlichkeit sichert. Gleichzeitig müsse es für die Kontrollbehörden der Länder umsetzbar bleiben, da die Lebensmittelüberwachung Ländersache ist.

          Ein Smiley in Berlin-Pankow zeigt, dass das Restaurant bei der Kontrolle sauber war. Die Teilnahme ist hier aber noch freiwillig

          Der Antrag Hamburgs zielt auf ein bundesweites und verbindliches Informationssystem mit einheitlicher Bewertung ab. Vorbild könnte das dänische Modell sein. Dort zeigen Smileys mit unterschiedlichen Gesichtern an, ob ein Restaurant bei der Prüfung gut oder schlecht abgeschnitten hat. Nach Hamburgs und Niedersachsens Überzeugung verlangen Verbraucher nach den jüngsten Lebensmittelskandalen zu Recht mehr Informationen. Aber auch die Lebensmittelüberwachung selbst wolle mehr Transparenz.

          Bremen hat beschlossen, die Smileys einzuführen

          In Dänemark stehen die Berichte der Lebensmittelkontrolle im Internet. Nun sei eine gesetzliche Grundlage geschaffen worden, damit sie auch in den Betrieben ausgehängt werden können. Zusätzlich zeige einer von vier Smileys das Ergebnis in Kurzform an, so die Länder. Seither habe die Zahl der Betriebe mit guter oder sehr guter Hygiene in Dänemark zugenommen.

          Die neue hessische Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU) sagte: „Hessen unterstützt die Bemühungen, mehr Transparenz zu schaffen.“ Auch Bremen steht hinter dem Antrag. Das Landesparlament hatte dort Ende August beschlossen, die Smileys einzuführen.

          Die Verbraucherorganisation foodwatch warnte vor einem abgeschwächten System, das sich auf positive Ergebnisse beschränkt oder nur eine freiwillige Kennzeichnung vorsieht. „Damit die Smileys bundesweit eingeführt werden können, brauchen die Länder endlich Rechtssicherheit“, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

          Kritik: Kontrolle sei bereits ausreichend

          Grünen-Expertin Ulrike Höfken forderte, der Bund müsse vorschreiben, dass Kontrollergebnisse veröffentlicht werden. In Berlin-Pankow werden bereits positive und negative Smiley-Symbole vergeben. Dort bringe das System große Fortschritte bei der Sauberkeit. Karin Binder von der Linkspartei forderte Aigner auf, den Smiley ohne die Länder sofort zur Pflicht zu machen.

          Nach Ansicht des hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) werden die Betriebe allerdings bereits ausreichend durch die Branche unter die Lupe genommen. „Wir haben schon aus eigenem Interesse ein scharfes Auge auf unsere Restaurants“, sagte Hauptgeschäftsführer Julius Wagner.

          Außerdem sei es nicht nachvollziehbar, warum Häuser ausgezeichnet werden sollten, nur weil sie den gesetzlichen Verpflichtungen nachkämen. „Die gute Qualität sollte tägliche Voraussetzung sein“, sagte Wagner. Zudem sei es nicht möglich, sofort alle Betriebe zu prüfen. „Und wer dann kein Smiley hat, der wurde vielleicht nicht getestet - fällt aber durch bei den Kunden.“

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