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Leben mit Corona : Wie weiter nach November?

„Ohne Kunst und Kultur wird’s still“, steht über dem Eingang eines Kinos in Berlin. Bild: dpa

Selbst wenn der Impfstoff kommt, werden noch Monate vergehen, bis Corona beherrscht wird. Die nächste Phase ab Dezember erfordert deshalb mehr Differenzierung, Kreativität und Kontrolle. Ein Gastbeitrag.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Entgegen unseren Hoffnungen befinden wir uns auch in Deutschland mitten in der zweiten Welle der Pandemie. Ziel des zweiten, partiellen Lockdowns ist es, das rasante Infektionsgeschehen in unserem Land zu bremsen und die Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern. Darüber hinaus: Weihnachten mit unseren Lieben feiern zu können, das Fest der Familie, der Nähe und Hoffnung.

          Die November-Strategie ist einfach zu verstehen. Die drei wichtigen Pfeiler unserer Gesellschaft – Arbeit, Wirtschaft und Bildung – haben Priorität, weil wir sie benötigen, um unsere Volkswirtschaft und die Zukunftschancen junger Menschen zu stützen. Damit die Dynamik der Pandemie gebrochen wird, wurde das Freizeitgeschehen stark und pauschal eingeschränkt. Es musste deutlich werden, dass die Pandemie nicht vorüber ist und verantwortungsloses Verhalten Einzelner gefährliche Auswirkungen für alle hat. Für die beabsichtigte Vollbremsung des Infektionsgeschehens ein akzeptabler und insgesamt vermittelbarer Schritt.

          Wie weiter danach? Ein Zurück in den Spätsommer wird es nicht geben können. Wir müssen in eine neue Phase starten. Selbst wenn der Impfstoff kommt, werden noch viele Monate vergehen, bis Corona beherrscht wird.

          Bettina Wiesmann ist Abgeordnete der CDU im Bundestag.
          Bettina Wiesmann ist Abgeordnete der CDU im Bundestag. : Bild: Frank Röth

          Unsere Strategie bis zum Impfschutz muss auf Differenzierung, Kreativität und Kontrolle setzen, ab Dezember. Differenzierung nach den Ansteckungsrisiken: Die allermeisten Kultureinrichtungen haben Programme und Inszenierungen angepasst, ausgeklügelte Hygienekonzepte entwickelt, baulich oder technisch in den Pandemieschutz investiert und verzichten auf Garderobe, Gastronomie, Pausen und so weiter. Man kann niemandem erklären, warum hier Kultur nicht mehr stattfinden soll – den Künstlern nicht, dem Publikum nicht.

          Im Gastronomie-Bereich wurde viel unternommen: das Angebot entzerrt, Außenbereiche erschlossen, in Trennwände und Lüftungsanlagen investiert; die pauschale Schließung ist auf Dauer nicht einzusehen. Und auch im Sport bestehen bei der Kontaktdichte große Unterschiede, Hessen hat das erkannt und Abstandssportarten wie Einzeltennis wieder zugelassen.

          Das Risiko bestimmt die Einschränkung

          Gerade in dieser Kontakt-Krise besteht ein Bedürfnis nach Begegnung, Austausch, Erbauung, Trost. Zugleich werden wir Corona nur alle miteinander besiegen. Dafür müssen die Corona-Regeln überzeugen und dafür wiederum den Risiken gerecht werden. Jedoch: Differenzierung macht Unterschiede. Eine Stehkneipe ohne räumlichen oder technischen Schutz wird nicht öffnen können. Reiten, Rudern und Kampfsportarten werden nicht einheitlich behandelt werden können. Karaoke wird ebenso wie auf Nähe angelegte Großveranstaltungen nicht stattfinden können. Ein Ausschankverbot ab 23 Uhr ist zumutbar, Szene-Partys bis in den Morgen müssen unterbleiben.

          Das Risiko bestimmt die Einschränkung – im Interesse aller. Das ist für manche bitter. Finanzielle Ausgleichsmaßnahmen müssen sie deshalb besonders in den Blick nehmen. Wer diese Unterschiede aber um einer vermeintlichen Gerechtigkeit willen ablehnt, schädigt unsere freiheitliche Gesellschaft insgesamt und macht ein Leben mit der Pandemie unmöglich.

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