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F.A.Z. exklusiv : Nur noch die Chinesen glauben an den Flughafen-Kauf

Rheinland-Pfalz: Wird der Flughafen Hahn an die chinesischen Interessenten verkauft? Bild: dpa

Die chinesischen Interessenten am Flughafen Hahn stehen im schlechten Licht da – ihre Solvenz ist fraglich. Allein die Chinesen denken weiterhin, dass der Regionalflughafen bald ihnen gehört.

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          Die chinesische Shanghai Yiqian Trading Company, die Anfang Juni den Zuschlag für den Kauf des Flughafens Hahn erhalten hat, ist weiterhin fest vom Abschluss des Geschäfts überzeugt. „Der Kaufprozess ist zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen“, sagte Projektmanager Kyle Wang im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er und seine Mitstreiter hätten allerdings nicht erwartet, dass der Kauf so stark ins Zentrum „der öffentlichen Meinung in Deutschland“ gerate.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Der asiatische Konzern, der hinter dem Investmentvehikel stehe, sei solvent und eine Macht in der Bauindustrie. Bei Erdräumarbeiten setze man bei einem einzigen Projekt schon mal „bis zu 200.000 Mitarbeiter“ ein. Branchenkenner halten diese Größenordnung allerdings für unrealistisch. Genaue Angaben über die Firmengruppe und ihre Eigentümer machte Wang nicht. Er behauptete, einen Auftrag über umgerechnet 1,3 Milliarden Euro eines deutschen Großkonzerns zu erhalten.

          Im Flughafen Hahn sieht Wang gewaltiges Potential für Fluggäste aus Asien. Auch wolle die Firmengruppe den Flughafen kaufen, um dort Firmenjets landen zu lassen: „Ein eigener Flughafen ist dafür bequemer.“ Aus Kreisen der deutschen Wirtschaft in Schanghai verlautet, man habe noch nie von den chinesischen Käufern gehört. Der Flughafen-Verkauf wirke wie eine „Luftnummer“.

          Ministerpräsidentin in der Verantwortung

          Unterdessen sicherte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zu, die offenen Fragen um den Verkauf würden geklärt. Die Frage nach personellen Konsequenzen stelle sich nicht, äußerte sie mit Blick auf Innenminister Roger Lewentz (SPD), der mit der Privatisierung des ehemaligen amerikanischen Militärflughafens befasst ist.

          In diesem Gebäude sollte der Firmensitz der „Guo Qing Investment Company“ sein – vorhanden sind ein Reifenhandel und leerstehende Büros.
          In diesem Gebäude sollte der Firmensitz der „Guo Qing Investment Company“ sein – vorhanden sind ein Reifenhandel und leerstehende Büros. : Bild: SWR

          Hingegen formulierte die oppositionelle CDU scharfe Kritik. Ihre Vorsitzende Julia Klöckner sagte, sie sehe „ganz klar die Ministerpräsidentin in der Verantwortung“. Sie zog Parallelen zwischen dem Nürburgring und dem Flughafen Hahn. Die von der SPD geführte Regierung habe sich auch beim Nürburgring von einem Geschäftsmann täuschen lassen. „Am Ende war er nicht liquide, und das Gleiche passiert heute.“

          Sie bezeichnete es als „Ablenkungsmanöver“, wenn jetzt die Schuld bei den Wirtschaftsprüfern von KPMG gesucht werde, die am Kaufprozess beteiligt waren. Der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen sagte der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Lewentz’ Rücktritt sei „überfällig“. Er sei „ein sozialistischer Minister, der kein Verhältnis zu privatem und öffentlichem Eigentum“ habe.

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